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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-04-01 · Heft 4 (1.4.1908) · p. Seite 78

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 4 (1.4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 78 (sequence 8)
Language
German
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.v».gcv.igqr^rr j'»;>*;*!),^m o ~ * r . - ' ' ■■ :J\ \ -:. —78 — -; - . - wirktichung nähernden HllmanitätDaufgabe darf die Gründüng einev Gruppe stattfindeu? Ohne Zukunft, ohne Hoffnung, keine Gegenwart, keine Vergangenheit! Und weil unser Verein von dem Menschheitsideale der Zukunft seinen Ausgangspunkt genommen hat, deshalb wendet er sich der Pflege der jüdischen Literatur, der jüdischen Geschichte zu. Nicht als ob er von einem empirischen Selbstbewußtsein sich leiten ließe, sondern, weil er iy jedem Menschen, in jedem Volke, in jeder Religion im Lichte' der Menschheitsidee Abwandlungen und Aufgaben des Menschheitsgeistes sieht, deren Erfüllung eine Erhöhung der allgemeinen Kultur bedeutet. Dieser Grund müßte auch für den Staat, der ja die potenzierteste moralische Persönlichkeit sein soll, ausreichend sein,' der Geschichte der jüdischen Religion die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen. Noch mehr aber steigert sich diese Pflicht, wenn der Staat sich gleich uns von der Einsicht leiten läßt, daß nicht nur das Christentum des Altertums, sondern eben so sehr das des Mittelalters und der Neuzeit ohne fortwährende jüdische Korrektur der Versteinerung anheimgefalleu wäre.-' Indessen, wollen wir in dieser Stunde uns weniger mit den Pflichten des Staates, als mit den unserigen beschäftigen. Und da gilt vor allem die Devise: Hüten wir uns, in den Fehler unserer Feinde zu verfallen. Wir dlirfen nicht verschweigen, daß auch, in unserer engeren und weiteren Gemeinschaft die Neigung besteht, die Vergangenheit gegen die Zukunft auszuspielen. Auch bei uns soll nunmehr die physische, nicht die ideale Macht siegen. Auch bei uns soll der Grundsatz gelten: Nur durch den Historismus zum Idealismus, nur durch das Nationale zum Universalen. Wir wollen nicht und dürfen nicht . die Vergangenheit allein zu unserer Lehrmeifterin erheben. Die Vollendung steht nur in mythischen Weltanschauungen au: Anfänge der Entwickelung. 'Im Sinne der griechischen, der philosophischen und prophetischen Weltanschauung steht die Vollendung in der unendlichen Zukunft, der wir uns nur annäheru, die wir aber niemals erreichen können. Eben deshalb wollen , wir keine Tendenzwissenschaft treiben, keine nationale, keine religiöse. Nur die reine Zukunft, die reine Humanität, die reine Wahrheit sei unser Ziel, so gewiß die reine Wahrheit das reine zukünftige Menschheitsideal bedeutet. Und 7 wer uns in diesem Suchen-und Streben nach reiner Wahrheit unterstützt, der soll uns stets, willkommen sein, in welchem Lager er auch immer , beheimatet ist. , Wenn wir in diesem Sinne die Pflege der Wissenschaft in unseren Kreisen betätigen, wenn wir in diesem auf die Zukunft der Menschheit gerichteten Streben an die Erforschung unserer. Geschichte und Literatur herantreten, so handeln wir nicht nur im Geiste der wahren Weltbürgerphilosophie, sondern eben so sehr im Geiste des prophetischen Judentums. Und wie der große Universalist Jeremijah durch seine Überwindung des empirischen Individualismus der tiefste Begründer des identischen wurde, so erweisen auch wir uns in der Ablehnung nationaler und partiknlaristischer Sondergelüste als die kräftigsten Verteidiger des prophetischen Judentums.

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