Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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45 diese Häuser vom Staate konfisziert und in Lehrhallen für die Universität nmgewandelt. Diese Steinhäuser dienten verschiedenen nichtjüdischeil Architekten in England als Modelle für ihre späterhin errichteten Gebäude. Unter den damaligen Oxforder Juden befanden sich einige berühmte Ärzte, deren Dienste auch im Auslande zuweilen in Anspruch genommen wurden. Bemerkenswert ist auch die von Mr. Abrahams erwähnte Tatsache, daß nämlich Juden ein eigenes Tribunal hatten, dessen Existenz von der englischen Regierung gestattet lvar. Ter englische Gelehrte Dr. I u cke r hat jungst ein Buch veröffentlicht, lvorin nachgewiesen wird, welchen Einfluß die alten und modernen Literaturen der Welt auf die Entlvicklung und Ausdehnung der englischen Literatur ansgeübt haben. Interessant sind die Bemerkungen, die der Autor hinsichtlich der literarischen Beziehungen zwischen der Bibel und der alten und modernen Literatur Englands macht. „Die Hebräer," sagt er, „haben mehr als alle Literaturen zusammen unsere Nationalliteratur beeinflußt. Ter großartige Stil der Bibel, ihre eigenartigen Bilder und die schöne Form ihrer herrlichen Poesie haben von jeher den gefeiertsten englischen Schriftstellern zum nachahnlenden Muster gedient. Wer die Werke der letzteren mit einiger Aufmerksamkeit liest, wird sicherlich vieles darin finden, was vom Geiste der hebräischen Bibel beseelt und durchhaucht ist." — Das „Journal Offizie l" veröffentlicht eine Bekanntmachung, die bestimmt, daß das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat von 1. Januar 1908 ab auch in Algier in Geltung tritt. Das Gesetz wird für die Verhältnisse der jüdischen Kultusgemeinschaft von schwerwiegender Bedeutung sein. Denn die algerischen Inden, nach den letzten Zäh lungen zirka 62,000, rekrutieren sich meist aus den unbemittelten Schichten und dürften kaum in der Lage sein, die Kosten ihres Kultus aus eigenen Mitteln zu tragen, wie es das neue Gesetz verlangt. Daher haben denn auch die Vorsteher der algerischen Gemeinden eine Eingabe an das Konsistorium in Paris gerichtet, in der sie die Lage der algerischen Gemeinden schildern und um die Unterstützung des Konsistoriums bitten. - Das tragische Geschick, welches Portugal des Königs und des Thronfolgers beraubte, lenkt die Aufmerksamkeit der ganzen zivilisierten Welt auf dieses Land. Siir die Juden ist Portugal ein Land von hoher geschichtlicher Bedeutung, denn es gab eine Zeit, wo die ans Spanien fliehenden Juden in Portugal Aufnahme fanden und dort Brennpunkte des jüdischen Lebens schufen. Aber sie lebten bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts in tiefer Unterdriickung, sie mußten hohe Abgaben entrichten und durften die ihnen zugewiesenen Aufenthattsrayons nicht verlassen. Insbesondere war es Papst Jnnocenz Hl, welcher die klerikalen Beherrscher Portugals zu immer neuen Gewalttaten gegen die Juden veranlaßte. Noch im Jahre \166 wurden in Lissabon Autodafes abgehalten. Diese schweren Unterdrückungen zwangen viele Juden ihren Glauben öffentlich zu verleugnen und ihre Gebete im Geheimen zu verrichten. Noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts feierten die Juden die religiösen Feste im Geheimen. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts kamen für die Juden in Portugal ruhigere