Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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tum int wesentlichen die in letzter Linie auf Spinoza zurückgehende Anschauung der damaligen Zeitliteratur wieder, der er sich allerdings um so bereitwilliger angeschloffen habe, weil sie es ihm ermöglichte, alles, was der von ihm angestrebten idealisierenden Umdeutung des Christentums widerstrebte, als Beisatz jüdischer Geister zu beseitigen. Nur so erkläre es sich, daß ihm selbst seine tiefe innere Gemeinschaft mit den Grundideen des Judentums habe entgehen können. Diese Gemeinschaft Wurzele in der gleichen Grundauffassung von dem Verhältnis des Menschen zum Sittengesetz und gehe durch die gesamte Auffassung der sittlichen Persönlichkeit und ihrer Beziehung zur sittlichen Gemeinschaft, wie sie sich iu dem Universalismus des Judentums und dem sozialen Geist seiner Sittlichkeit bekundet, hindurch. Die Gleichheit der sittlichen Denkweise setze sich auch in die eigentlich religiöse Ideenwelt hinein fort, die bei Kant wie im Judentum eben entscheidend von dem Problem der Sittlichkeit her bestimmt werde. In der religiösen Wertung des Jndividiums und der religiösen Betrachtungsweise der Geschichte träfen beide in dem Typus der Religiosität zusammen, dem die religiöse Entwickelung des ntodernen Geistes mehr und mehr zustrebe. Der Generalversammlung war vormittags eine Ausschußsitzung vorausgegangen, iu der hauptsächlich über das Corpus Tannaitikum und die Germania Judaika beraten wurde. Beide wissenschaftlichen Unter nehmungen nehmen erfreulichen Fortgang. Mit großem Beifall nahm die Versammlung die Mitteilung entgegen, daß der erste Band des Maimonideswerkes vorliegt und in wenigen Tagen auf dein Büchermarkt erscheinen wird. Aus dem Jahresbericht ist noch hervorzuheben, daß der erste Band der gesammelten Schriften David Kaufmanns fertig gestellt ist und den Mitgliedern der Gesellschaft kostenlos zugesandt wird. — Die Begründung einer großen ganz Deutschland umfassenden „Liberalen jüdischen Ver einigung" ist gesichert, und der Zusammenschluß der liberalen Vereine für jüdische Angelegenheiten in größeren Städten zu diesem Zweck bereits perfekt. — In der Generalversammlung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen Berlin erstattete der Schriftführer den Jahresbericht, nach welchem im abgelaufenen Jahre neun Sitzungen mit sieben Referenten bezw. Vorträgen und drei gemeinsame Ausflüge stattgefunden haben. Darattf erfolgte der Kassenbericht durch den Schatzmeister und die Wahl des Vorstandes. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Auf Ersuchen der wissenschaftlichett Vereinigung hält Rabbiner Dr. Kellermann eine Reihe von Vorträgen für die Mitglieder der Vereinigung und zwar über das Thema: „Die Bergpredigt und die Ethik des Judentums". — Auf Veranlassung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a. M. hielt Herr Direktor Frauberger von Düsseldorf einen Vortrag „Über Synagogenbauten in alter und neuer Zeit". Der Vortragende führte von alten Synagogen mehrere Proben der romanisch-gotischen Gruppe < Worms >, der spanisch-maurisch-jüdischen Gruppe ^Toledo», mehrere italienische (Padua, Venedig» und Synagogen der polnisch-russischen Gruppe vor, wo in friedliebenden Zeiten unter dem Schutze der Behörden, der deutschen