Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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35 fortgesetzt werden, haben den Religionen uucbcr dasjenige zurückgegeben, lvas ihnen ihrer Natur und ihrem Wesen nach zukommt, und. wie sie manche abergläubige legende zerstört haben, haben sie auch dazu beigetragen, die Legende von dem unfruchtbaren Aberglauben und von jenem verdächtigen Nationalismus zu zerstören, der in allem und jedem nur frommblinde, von ruchlosen, habgierigen Priestern ausgebeutete Seelen erblicken will. Die Zusammenkunft so vieler auserlesener Geister in Oxford, die es unternehmen, dem Ursprünge des Gottesbegrisies in den verschiedenen Religionen nachzuforschen, wird die Anhänger dieser Kulte die Bescheidenheit und die gegenseitige Achtung und Wertschätzung lehren; denn die Freiheit des Glaubens ist das letzte Wort, das ans--er Geschichte und der Philosophie der Religionen resultiert. Über den großen Beratungssaal des Kongresses .in Oxford sollten die goldenen Worte des indischen Königs Acoda stehen, die er niederschrieb, als er ein Schüler Buddhas geworden. „Der König Pyadasie, ein Liebling der Tevos, ehrt alle Religionen . . . Man darf die eigene Religion nicht überschätzen, indem man die übrigen in Verruf bringt oder ohne legitimen Grund mißachtet: im Gegenteile ist es notwendig, dem anderen Glauben bei jeder Gelegenheit diejenige Achtlmg entgegenznbringen, die ihm gebührt. Indem man so handelt, trägt man ,;um Fortschritte der eigenen Religion bei, indem man die andere achtet. Handelt man anders, so schadet man nur der eigenen Religion, indem man die religiöse Überzeugung der anderen zu diskreditieren trachtet. Derjenige, der seinen Kult überhebt, indem er die anderen erniedrigt, tut dock dies sicherlich, um seinem Berufe zu folgen und in der Absicht, seine eigene Religion in desto schönerem Lichte zu zeigen. Wer sich jedoch dermaßen verhält, fügt seiner eigenen Religion die empfindlichsten Schlüge zu. Nur die Gintracht ijt das einzige gute, denn dank dieser vermögen alle entsprechend ihrer religiösen Ideen zu leben." Diese Worte wurden dreißig Jahre vor der jetzigen Zeitrechnung gesprochen und diese auf dem vom großen König einbernfenen Konzil ausgesprochenen Ansichten können als die wahren Vorläufer der Kongresse fiir die Geschichte der Religionen betrachtet werden. Was hat es für die unsterbliche, weil göttliche Menschheit zu bedeuten, daß diese Gespräche auf Jahrtausende zurückreichen? Die Geschichte ist geduldig wie die Natur! Freiheit und Ehrlichkeit in der Erforschung der Glaubensbekenntnisse, Freiheit und Ehrlichkeit in der Ausübung des Glaubens: In diesen Leitfäden der alten indischen Weisheit spiegelt sich die ewige Jugend der Menschenwürde wieder. S •>e<