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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-01-01 · Heft 1 (1.1.1908) · p. Seite 17

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 1 (1.1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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17 sagen: „Wie ist dagegen einzuschreircn, daß Biete vom Judentum nichts mehr wissen wollen". Durch organische Entwicklung — nicht sprunghaft, sondern nach und nach — von alten nicht mehr zeitgemäßen, zu dem heute gebotenen — das ist das Gute und dadurch verstehen wir die Zeit und bieten dem Abfall einen Damm. In der organischen Entwicklung liegt die Zukunft, in der Fortentwicklung bildet sich die Religion weiter durch geschichtliche Tatsachen, durch Entdeckungen, durch Studium der Naturgesetze. So haben sich auch die anderen Religionen Schritt für Schritt vorwärts entwickelt und so muß es auch mit der jüdischen Religion geschehen. Auch in der christlichen Religion geht es ähnlich. Die Anhänger des Alten bekämpfen natürlich alle Fortent-wicklung. Was nicht vorwärts geht, das geht unter und stetiges Fortschreiten auf liberaler Basis das sei unser Grundsatz, unser Grundgedanke. Der Redner führt dann aus weswegen die Reformbewegung zurückgegangen sei und wirft die Frage auf: Wie sott sich der Liberalismus verhalten und wie sott er sich gestalten? Wie denkt man sich die Fortentwicklung des Liberalismus unter den deutschen Juden? Die jüdische Religion soll in ihrer Erscheinungsform derart zum Ausdruck gebracht lverdeu, daß sie unserer heutigen Zeit angemessen ist. Allerdings sott keine sofortige Umgestaltung des ganzen Religionswesens stattsinden, sondern nach und nach: Mehr Deutsch soll in anseren Gebeten zu finden sein, denn das ist die Sprache, die wir alle verstehen, auch das Kind und der Kranke. Wer an seinen Gott denkt, tut es deutsch Diejenigen Gebete, die uns mtr£ Herz gehen, sollen deutsch verfaßt sein. Der Gottesdienst soll in künstlerischer Beziehung ausgestattet werdet!, die Orgel wirkt ästhetisch und ist ihr Gebrauch zu enrpfehlen. Ferner dauert unser Gottesdienst zu lange, Manche halten das nicht aus. Unsere Vorfahren waren durch den Beruf weniger in Anspruch genommen. Uub was den Mittelpunkt des Gottesdienstes anlangt, ob es Thora-Vorlesung oder Predigt sein soll, so ist es natürlich für den modernen Menschen die Predigt. Der sündigste Mensch kann durch die Predigt, die er versteht, die ihm zum Herzen geht, wieder auf den guten Weg kommen. Tie Vorlesungen aus der Thora sollen nicht beseitigt werden, aber die unmodernen, in unser Zeitalter nicht mehr passende A.'schnitte, brauchen nicht verlesen zu werden. Auch hier soll die Weiterentwicklung Schritt für Schritt gehen. Gerade darin liegt das Gefährliche, das auch das noch ausgeübt wird, was wir nicht mehr für das Richtige halten können. Unwahr ist ein äußeres Gebühren, das mit dem inneren Gefühl nicht übereinstimmt. Das diirfen wir nicht mehr tun. Wir müssen die Propheten über Alles stellen. Auch von unseren Religionsdienern dürfen wir es nicht verlangen, daß sie sagen, was sie nicht denken können. Sollen unsere Kinder dem Jndentuin erhalten bleiben, so müssen sie Religonsunterricht erhalten. Jugendgottesdienst neben dem Religionsunterricht zu besonderer Zeit ist notwendig. Der Religionslehrer muß viel Takt zeigen und muß vermeiden die Schule mit dem Elternhaus zu entzweien. Kämpfen müssen wir gegen die Orthodoxie

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