Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Übrigens waren unsere Weisen sich dieser unvermeidlichen Bewegung stets klar bewußt und um eine Erstarrung des Judentums zu verhindern setzten sie mit ihrem Weitblicke fest, daß das mündliche Gesetz mcht schriftlich niedergelegt werden sollte. Sie waren messen sei der Entscheidung der zuletztkommenden Zeitid an Kenntnissen, reicher an gesammelten Erfahrungen der Ansichr, daß es immer ang genossen zu folgen die reicher sii wie die früheren. Und so füllte nach ihrer der seiner gleichwertig sein und noch das der Neuheit für sich. England und Amerika liberale Meinung ein Jernbaal in seiner Zeit einem Mose in Jephta in seinen Tagen dem Propheten Samuel lrr.^ed 25 bi. Im Talmud liest man, daß das Gesetz, gemacht ist, damit der Mensch leben §olle und nicht unter seiner Last erliege, daß der Sabbat uns übergeben, für uns bestirnt sei und nickt wir für ihn. (.loma 85 b;. Wenn wir also das Judentum als eine lebendige Lehre als eine Entwicklung zivilisatorischer Bewegung erhallen wollen, indem wir die Wahrheit nehmen und ankommen mag, handeln wir damit am besten im Geiste der jüdischen Tradition. Bon dem alten wetterfesten Stamme, der nicht zu fürchten hat die Stürme der Zeit lassen wir nur welke Blätter und verdorrte Zlveige fallen,-aber immer nur in der Absicht, damit sich seine Blüten l esser entfalten und seine Früchte besser reifen können. Übrigens haben die R?for^ren, die wir einführen iveder das Gepräge der-Seltenheit Schott seit einem Jahrhundert lesitzen Deutschland, jüdische Gemeinden. In Frankreich erhol. en sich seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts Männer, welche für eine Reform des Judentums eintraten. Iß nenne hier inr Joseph Salvador, Olrh Terquem, Gerson Levn, James Darmstetter. Salomvu Munk, Alexander Weill und Großrabbiner Aristide Astruc. Indessen der erste Versuch den Gedanken der Reform zu verwirklichen und in Tat zu umsetzeu auf dessen Wirken wir weiter bauen, ist dem leider früh verstorbenen Alphonse Pöreyra zu verdanlen, dem wir. jetzt, zum ehrenden Gedenken unsere Huldigung darbriugen. Er war es der^trotz seines Alters, zu einer Zeit wo. man die Kraft nur hat sich der Be gange aheit zu erinnern, noch mit jugendlichen Feuereifer an die Verwirklichung seiner Ideen g mg, unterstützt von hochdeukeuden, edel empfindenden Frauen, deren großmütiger E fer alle Hindernisse besiegte und denen wir für ihre Tapferkeit im Dienste der Reform unsere Verehrung bezeugen. Zum Schlüsse möchte-ich es noch aussprechen, daß'wir mit Begeisterung und Liebe die freie Forschung und die Bestrebungen der Gemeinschaft hier pflegen und hüten wollen. Israeliten sind wir, und nsir wollen von unseren Lehren behalten das Ewige, das in ihnen ist und aus unseren Überlieferungen die poetischen und erbaulichen Werte. Wir wollen im Judentum das Reinste und Erhabenste, das Menschlichste und das Göttlichste pflegen, und das was seine Eigentümlichkeit und seine besondere geschichtliche Würde ausmacht.