Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 264 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Solchen Schäden gegenüber muß naturgemäß jede Hilfsaktion unzureichend bleiben. Aber doch war auch die Größe der Opferwilligkeit im höchsten Grade erfreulich; sie betätigte sich auf hie Schreckensnachricht aus Rußland hin bei den Juden aller Länder und auch viele nichtjüdische Kreise haben sich in hochherziger Weise betätigt. Es war, wie der folgende kurze Rückblick zeigen mag, ein schweres Werk, die gesammelten Hilfsgelder in geordneter Weise dem gesteckten Zwecke dienstbar zu machen, zumal eine Zeitlang und gerade in der Zeit, als die Hilfe am dringendsten notwendig . war, jeder Verkehr in Rußland unterbunden war. Auf eine Anregung des Ailfsvereins der deutschen Juden, die von Lord Rotschild und Jacob H. Schiff-New-Dork aufs wärmste unterstützt wurde, vereinigten sich auf j einer Konferenz in London am 14. November 1905 sämtliche jüdischen Hilfsorganisationen! zu gemeinsamer Arbeit. Eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Nathan vom! Hilfsverein der deutschen Inders Berlin, C. Stettauer vom Russe Jewish-Comite, und! Herrn Feinberg von der Jca in Petersburg, bereiste unter den schwierigen Verhältnissen während des großen Eisenbahn- und Poststreikes die geschädigten Ortschaften und sorgte für zuverlässige Nachrichten, für schnelle Hilfe und für eine zweckmäßige Organisation. Sämtliche geschädigten Orte wurden in einer Reihe von Bezirken eingeteilt, die dem russischen Zentralkomitee in Petersburg unterstanden. Dieses wiederum arbeitete in Gemeinschaft mit dem beim „Hilfsverein der deutschen Juden" von den Organisationen eigens errichteten Zentralberichtdureau und dem Russe Jewish-Comite in London unter Sir Samuel Montagu. Es konnten durchschnittlich nicht mehr als 10 Prozent des festgestellten Schadens ersetzt werden. Natürlich wuroe nicht schematisch vorgegangen, sondern je nach Lage der Umstände mehr oder weniger als 20 Prozent bewilligt. Die Geldmittel sämtlicher Organisation flössen in eine gemeinsame Kasse, die unter der Verwaltung von Lord Rothschild in London stand. Aus dieser Zentralkasse wurden nach den Vorschlägen dis Petersburger Komitees und des Zentralberichtbureans des Hilfsvereins der deutschen Juden die Unterstützungsgelder in Rußland gewährt. Eine Zeitlang schien es, als wollten die russischen Behörden fceY Hilfsaktion Schwierigkeiten bereiten. Nachdem aber die russische Regierung sich überzeugt hatte, namentlich durch die vielfachen Unterredungen, die die Herren Baron Horace v. Günzburg, Petersburg, und Dr. Paul Na-han, Berlin, mit den leitenden Staatsmännern hatten, daß die Hilfsgetder streng bestimmungsgemäß verwandt wurden, konnte das philanthropische Werk ohne weitere Schwierigkeiten beendet werden. Zu dem Zentralfonds in London trugen die amerikanischen Organisationen 51 Prozent und die europäischen 49 Prozent bei. Im einzelnen kamen von den Gelder^ neben den 51 Prozent aus Amerika 12 Prozent aus England und den Kolonien, 21 Prozent aus Deutschland, und zwar vom Hilfsverein der deutschen Juden 14 Prozent und vom Frankfurter Hilfskomitee für osteuropäische Ju)en unter dem Vorsitzenden Charles I. Hallgarten