Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1906)
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Mutter des sel. Professors. Dr'. David Kaufmann Frau Rosa Kaufmann tm Alter von 84 Jahren. Das Andenken dieser wackeren edlen Frau bleibt ein gesegnetes wird auch ihr Name stets in Ehren genannt werden. Die Antisemiten haben Hrausgefunden, daß der neu ernannte Kolonialdirector Bernhard Dernbnrg jüdischer Abstammung sei. Mögen sie daraus den Schluß ziehen, daß dieser Abkömmling einer durch Intelligenz ausgezeichneten jüdischen Familie, wenn das Vaterland ruft, eine materiell viel bedeutendere Stelle zu opfern bereit ist. — In der alten Zarenititb Krönungsstadt Tirnova sind bei den Erdarbeiten für den Bau eines neuen Bahnhofes die lleberreste eines uralten jüdischen Friedhofes blosgelegt worden, wobei man nicht nur auf menschliche Skelette gestoßen ist, sondern auch goldene und silberne Schmucksachen, in bedeutender Anzahl zutage gefördert hat; die Auffindung von Grabsteinen mit jüdischen Nän en in hebräischen Schriftzügen läßt keinen Zweifel darüber zu, daß man es hier tatsächlich mit den Ueberresten jener bedeutendsten der jüdischen Kolonien aus der Zeit der selbständigen Zaren zu tun hat, deren Bestehen bulgarische Chroniken erwähnen, über deren genauere Lage man aber bisher keinen Nachweis besaß. — In Genf tagte der Esperanto-Kongreß unter Vorsitz Dr. Samenhofs, des Erfinders dieser Weltsprache. 1500 Delegierte der verschiedensten Esperanto-Vereine waren anwesend. — Zahlreiche russische und polnische Juden, sind auf ihrer Flucht aus der Heimat auch an den Vierwaldstätter See gelangt. Die Flüchtlinge befinden sich in grenzenlosem Elend und sie.suchen in den Hütten der dortigen Bauern ein schützendes Obdach. Es ist nun bemerkenswert, mit welcher rührenden Sorgfalt sie von den Schweizer Bauern ausgenommen werden. Denjenigen Kreisen, welche durch eine so freisinnige Auffassung ihrer Pflichten gegenüber den Nebenmenschen seitens der Schweizer Bauernschaft unangenehm überrascht sind, antworten die Bauern, daß der Freiheitskampf der russischen Juden ihnen ebenso heilig ist, wie die Geschichte ihres eigenen Freiheit-Kampfes, von bcm gerade die Gelände des Vierwaldstätter Sees so beredtes' Zeugnis oblegen. In Amsterdam fand der Oberkantor der Israelitischen Niederländischen Hauptgeineinie, Herr Jsaac Heymann, ein jähes Ende beim Nach hansekommen ans dem Gotteshause, wo er eben eine Trallung vollzogen hatte. Er war der Sohn eines weitbekannten Oberkantors aus Rußland und hatte schon von seiner ersten Jugend an die wunderbarsten musikalischen Anlagen. Nicht nur als Oberkantor, sondern auch als Komponist, hauptsächlich kirchlicher Gesänge, hat er sich einen außerordentlichen Namen erworben. Die Chorgesänge in den holländischen Synagogen sind fast alle herrliche Schöpfungen Jsaac Heymanws. — lieber die Aufnahme des Trennungsgesetzes durch die. französischen' Israeliten äußert sich ein Rabbiner in der Zrrde" vom 15. Juli 1906 dahin, soweit seine Informationen daß sich die sehr große Mehrheit der Israeliten günstig Kirchen und des Staates als Halbmonatsschrift „L'Avant-G reichten, könne er versichern, zu dem neuen Stande der Dinge stelle. Man nimmt auch hier die Trennung der eine zu Recht bestehende Tatsache hin und sucht auf der