Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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189 gekränkelten Elemente scharen sich um den „Bezalel". Einige hundert haben sich als Arbeitsbemerber vormerken lassen.! Leider werden nicht die Wünsche aller so rasch befriedigt werden. Sehr viele habest sich auch zur Teilnahme an den Abendkursen angemeldet, aber leider sind die jetzigen Räume noch zu klein, um alle fasten zu können. Erfreulich ist es, daß dieses aussichtsvolle Unternehmen wohlwollende Förderer, insbesondere in Deutschland gefunden hat, die die Begründung der Schute ermöglicht haben. Unter anderem sind dem Verein 3 jährliche Schülerstipendien je Mk. 300.— und ein Jahresbeitrag von Mk. 1500.— zugegangen. Die Stipendien sind dazu bestimmt, den begabtesten, aber unbemittelten Schülern Mittel für den Unterhalt zu verschaffen. — Am 15. Juli starb in Kudowa, wohin er sich zur Kur begeben hatte, der Amtsgerichtsrat Eduard Levy aus Beuthen im Alter von 69 Jahren. Am 1. Mai 1892 wurde ihm das höchste Ehrenamt der Gemeinde, das Amt des Vorstands-Vorsitzenden daselbst übertragen, welches er bis zu seinem Ableben ununterbrochen bekleidet hat. Mit hervorragender Pflichttreue, unermüdlichem Eifer und selbstloser Hingabe an sein Amt hat der Verstorbene gewirkt, zum Wohl und Segen der Gemeinde. Aber nicht nur für seine Gemeinde, sondern für die ganze deutsche Judenheit hat er mit dem gleichen Eifer und derselben Hingabe gewirkt, so für den Deutsch-Israelitischen Geweindebund, für den Synagogen-Gemeindeverband des Regierungsbezirks Oppeln, für den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und zahlreiche andere Institutionen. Nichts, was auf dem Gebiete des Judentums geschah, war ihm fremd oder j ließ ihn kalt. An allem nahm er den wärmsten Anteil, das regste Interesse. Er war ein Mann von hervorragender Herzensgüte, von edelster Menschenliebe erfüllt, ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle. Der Verstorbene war der erste Kreisrichter^ jüdischen Glaubens im Königreich Preußen auf Grund des Gesetzes vom 8. Juli 1869. Seit dem 1. August 1869 war er Kreisrichter, seit 1. Oktober 1879 bis zu seinem Tot e Amtsrichter beim Amtsgericht Beuthen. — Daß die Verschärfung der konfessionellen Gegensätze die Verhältniffe in Deutschland immer unerquicklicher gestaltet, verkennen erfreulicherweise auch viele jener Männer nicht, die auf streng christlichem Boden stehen. In dieser Hinsicht ist eine Kundgebung des Professors Zurbruhm in Münster, im Streit um die konfessionellen Verbindungen auf den deutschen Hochschulen, sehr beachtenswert. Dieser katholische Theologe sagte dabei: „Religiöse Unduldsamkeit und Anfeindung fremden Glaubens und Kirchentums, unter welcher beschönigenden Phrase sie sich verbergen, in welcher Form sie auftreten mögen, sind dagegen auch des Vaterlar dsfreundes und des Gebildeten, der die Lehren der Geschichte kennt, durchaus unwürdig und das Zeichen eines unfreien Geistes. Nicht Streit, welcher trennt, sondern Liebe, die eint, fördert die Ziele der Menschheit. Gemeinsame nationale Arbeit auf denselben Boden sind weit eher notwendig, als lediglich verbitternde Gehässigkeiten, bi; mit der Liebe zur Wahrheit nichts gemein haben." — Man berichtet uns: In et eilt wurde Herr Dr. D. Rudolfer, Rabbiner in Amstetten, zum Rabbiner gewählt. — Der eben