Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 187 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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187 jein Kind im Einklang mit seinen Getstesideen zu erziehen, vollständig abhanden gekommen ist. Sollte Herrn Prof. Rosin yier nicht das Borbild eines preußischen Geheimratskollegen vorgeschwebt haben? Aujs religiösem Gebiete darf kein Zwang ausgeübt werden, vor allem aber ist jedlicher Konflikt zwischen Schule und Elternhaus zu vermeiden, und mit Recht wird auch schon in deutschen Lehrerkreisen die Forderung erhoben, dem Beispiel anderer Länder zu folgen uhd den Religionsunterricht gänzlich aus der Schule zu verbannen. Um so unbegreiflicher ist es, daß ein deutscher Gelehrter vom Range des Herrn Prof. Rosin einen solches Zwang auf religiösem Gebiete herbeizuführen wünscht. Der Absatz 2 des 8 81 zeiugt womöglich noch von reaktionärerer Gesinnung. Will er doch dem Religionslehrer! eines seiner vornehmsten Rechte, nämlich die Auswahl der Lehrbücher, entziehen, wodurch jede Selbständigkeit des Lehrers unterdrückt würde. Wenn man in den Lehrer nicht dias Vertrauen setzt, daß er bei der Auswahl der Lehrbücher den nötigen Takt zeigt, wije kann man ihm dann die unendlich schwierigere und verantwortungsreichere Aufgabe qnvertrauen, jugendlichen Seelen den richtigen Pfad zu weisen? Diese Bestimmung chacht den Lehrer lediglich zum Werkzeuge der Kirche und würde eine Verknöcherung de^ Unterrichtes notgedrungen herbeiführen. In einer Erklärung, die der D. I. G. B. in No. 179 der Frankfurter Zeitung veröffentlicht, verwahrt er sich zwär gegen die Behauptung, er habe sich den Rosin'schen Entwurf zu eigen gemacht. Wenn dem auch so sein mag, so bewegt sich der Entwurf trotzdem völlig im Gedankengang hes D. I. G. B> der schon längst eine Beaufsichtigung des Religionsunterrichts durch di^ Rabbiner und eine Zwangsnote im Religionsunterricht für die höheren Schulen her^eizuführen bestrebt ist. Um so mehr muß von vornherein gegen die Rosin'schen Bestrebungen Front gemacht werden. Somit ist der Entwurf aufs entschiedenste zu bekämpfen, ein Entwurf, der einen unverkennbaren Vorzug des Judentums, nämlich die Freiheit der einzelnen und der Einzelgemeinden aufheben und in sklavische Anlehnung an dße hirrarchischen Ordnungen anderer Religionsgesellschaften eine Kirchenordnung in düs Judentum einführen will, die ihm, wie wir sagten, erfreulicher Weise bisher fremd rpar. -j-- flftonatsfcbau. Die letzte Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wisienschaft des Judentums in Berlin eröffnete Herr Professor Philipp son mit herzlichen Dankesworten für die Adresse des Ausschusses zu seinem 60. Geburtstag und begrüßte den jüngst in den Ausschuß gewählten Rabbiner Dr. Porges. Es folgte die Beratung der Tagesordnung. Zunächst referierte Professor Philippson über die Lösung der Beziehungen zu der Leipziger Verlägsfirma Veit & Co., sowie über Verhandlungen mit anderen Firmen. Er machte von den Anerbietungen Mitteilung, die verschiedene Buch-