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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-08-01 · Heft 8 (1.8.1906) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 8 (1.8.1906)
Date
1906-08-01
Page
Seite 170 (sequence 4)
Language
German
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i^r? — 170 — Aus der Fülle des Stoffes greife ich eine Stelle heraus, die mir besonders schwerwiegend und von weitgehendem, nachhaltigem Einfluß auf die Beurteilung des Judentums zu sein scheint; und zwar in jenen Kreisen, die das Buch zur Orientierung früher oder später einmal in die Hand nehmen könnten. Die Stelle, die ich nach der Münchener Ausgabe (erschien 1903 bei Bruchmann) zitiere, sie lautet im I. Bande S. 450 folgendermaßen: „Die Macht der Idee des Judentums (gemeint ist die Idee des Leidens für eine erhabene Vergangenheit und für eine bessere Zukunft) die Macht der Idee, während sie dieses Volk derart in seiner eigenen Einbildung zu babylonischschwindlischen Höhen emporhebt, drückt sie es in Wirklichkeit seelisch so tief herab, lastet so schwer auf seinen besten Anlagen, sondert es so gänzlich aus der leidenden, strebenden, schaffenden Menschheit, erstarrt es so hoffnungslos in den unseligsten fixen Ideen, macht es so offenbar in allen seinen Gestaltungen (von der äußersten Rechtgläubigkeit bis zum ausgesprochenen Freisinn) zu einem offenen oder versteckten Feind jedes anderen Menschen, zu einer Gefahr für jede Kultur, daß es zu allen Zeiten und an allen Orten den Hochbegabten das tiefste Mißtrauen einflößte, und dem sicheren Instinkt des Volkes Abscheu" — — (Bd I. S. 450.) Das Zeitalter in welchem wir leben, es ist gewißermaßen das „papierene Zeitalter". Die Macht des gedruckten Wortes, sie übt heute wohl ihre vorteilhafte, aber auch ihre verhängnisreiche Wirkung, genau so wie einst im Zeitalter der Menschenkriege die blanke Waffe. Eine Kielfeder, sie kann oft schmerzlicher verwunden, alseine Löwenklaue. Dies gilt umsomehr von Büchern, die mit blendendem Styl und berückender Sprache geschrieben sind wie das in Rede stehende Buch Chamberlains. Und so dürfte denn dasselbe noch für unabsehbare Zeit bestimmt sein, in gedachter Weise fortzuwirken. Eine ganze Flut von Schtagwörtern gegen das Judentum ist es übrigens heute schon, die sich aus demselben über die breiten Schichten des gebildeten und des ungebildeten Pöbels ergießt. Und so habe ich mir denn zur Aufgabe gemacht, so weit es an mir liegt, den Nachweis zu erbringen, daß die Anschauungen Chamberlains über das Judentum nicht-nur von seinem verblendeten — das wäre nichts ungewöhnliches — nein, auch von seinem gehässigen Vorurteil diktiert und eben darum grundlos und unstichhaltig sind? Ich möchte nun meinen Standpunkt den oben zitierten Ausführungen Chamberlains gegenüber Punkt für Punkt präzisieren. * 4- * Zunächst wollen wir uns über den Begriff Kultur klar werden. Wir sehen hier ab von der Kultur, wie sie in schöngeistigem Sinne auf dem Gebiete der bildenden Kunst und ähren verwandten Kreisen zur Geltung kommt und behalten die Kultur im Auge, wie sie in den sozialen Bestrebungen der Gegenwart in die Erscheinung tritt als volkserzieherisches, als volkswirtschaftliches, und endlich als allgemein menschliches Element, denn in diesen spiegeln sich mehr oder weniger alle Kulturfragen praktischer Art. ' In diesem Sinne bilden die Kulturfragen schon seit den

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