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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-07-01 · Heft 7 (1.7.1906) · p. Seite 168

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 7 (1.7.1906)
Date
1906-07-01
Page
Seite 168 (sequence 26)
Language
German
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168 geben und in dem heißen Geisteskampf, in den ihn die Freunde gestellt haben, auf seine Seite treten werde. Ehe sich sein gewaltiges Sehnen erfüllt, nimmt ein Jüngling das Wort, der ans Bescheidenheit bis jetzt geschwiegen hatte, Elihu, und führt das dunkle Rätsel, das so peinvoll auf Hiob und seinen Gefährten lastete, seiner Lösung näher. Er widerstreitet dem platten Vergeltungsdogma der Freunde, das den Unglücklichen um das Mitleid bringt, kann aber auch Hiobs Vorwürfe gegen die göttliche Gerechtigkeit nicht billigen. Auch dürfe Hiob' nicht allzustark seine nimmerwankende Tugend betonen. Denn dem heiligen Gotte gegenüber ist niemand ganz rein. Nicht nach dem Grunde des Leides^ sondern nach seinem Zwecke muß man suchen. Das Leid will des Menschen natürliche Selbstgerechtigkeit tilgen und ihn zu immer größeren Gottähnlichkeit hinaufläutern. So seien die Leiden nicht ein Ausfluß göttlichen Zornes, sondern eine Wirkung der göttlichen Liebe. Ist Gott aber die Liebe, dann gibt es auch keinen Zweifel an seiner Gerechtigkeit, wenn wir j&mnt Wege auch nicht immer begreifen. Aufgabe der leidenden Frommen ist's, sich unter Gottes Liebeswillen demntsvoll zu beugen. Was verschlägt es, daß wir im Einzelnen Gottes Plan mit uns nicht klar durchschauen, bietet uns doch auch sonst die Welt eine Fülle des Unbegreiflichen. Geheimnisvoll wirkt und waltet der Ewige in der Natur, und demütig steht der ^Mensch vor Gottes Majestät und Größe. So sollen wir auch seinen Ratschluß mit den Menschen ergebungsvoll verehren, wenn wir ihn auch nicht in allen Stücken begreifen.') Das ist der Kerngedänken der Elihureden, des Teiles unseres Buches, der am meisten angefochten und am heißesten umstritten ist. Selbst Herder, der sonst voll Besonnenheit und bar des Vorurteils an die Betrachtung geht, wird der Elihugestalt und ihrer Absicht nicht gerecht. Er hält dafür, daß sich Elihu kühn, anmaßend und allweise geberde; er mache große Bilder ohne Ende und stehe da wie ein lauter Schatten, daher antworte ihm niemand. Wenn Hiob den Ausführungen Elihus nichts entgegnet, so dünkt uns -das im Gegensatz zu Herder sehr wohl begründet. Der Dichter zeigt uns damit, wie sehr Hiob von dem Zauber dieser neuen Predigt des jungM Propheten ergriffen ist. Es liegt in seinem tiefgründigen Wesen und in.seinem Geschick begründet, daß er still und .gesammelt diese wdndersame bisher nie geahnte Offenbarung in sich verarbeitet, ehe er in Worten von ihr Zeugnis ablegt. --— . (Forts, folgt.) ,') c. »2-87. Inhalt: Der Rosin'sche „Entwarf eines Gesetzes über die Organisation der israelitischen Religionsgemeinschaft in Preußen". — Jüdische Reformbestrebungen in Frankreich. — Die Prof. David Kansmann Bibliothek in Budapest. — Sturm und Stille Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breideustein), sämtlich in Frankfurt am Main. W

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