Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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122 meines Verdienstes und des damit in Verbindung stehenden Gehaltes war, so gereicht es mir doch zu einer großen Beruhigung, daß damals meine Vorgesetzten ihre Zufriedenheit, die sie mir stets wegen meiner Geschäftsführung bezeigt hatten, besonders bei diesem Anlasse lebhaft äußerten und mir ihr Bedauern zu erkennen gaben, daß sie dem Drange der Umstände nachzugeben, auch rücksichtlich meiner sich genötigt sähen. Da nun bei Besetzung derjenigen Stelle, um welche ich ergebenst bitte, meine Religion kein Hindernis ist, so hoffe ich, daß eine hochlöbliche Verwaltungsbehörde darum so geneigter sein werde, mir durch Erteilung derselben einen Verlust zu ersetzen, der als ein von meinem Glauben gefordertes Opfer angesehen werden muß. Ich werde durch ununterbrochenen Eifer mich einer solchen Gunst wert zu machen und einen Beifall von Neuem zu verdienen suchen, den ich in meinen früheren Verhältnissen erworben zu haben mir schmeicheln darf. In Erwartung einer geneigten Willfahrung meiner gehorsamsten Bitte, verharre ich hochachtungsvoll Einer hochlöblichen Verwaltungsbehörde Frankfurt a. M., 28. Nov. 1816. , ganz ergebenster D r. B a r u ch. Sturm und Stille. Ein Beitrag zur Geschichte der biblischen Theodicee von Kreisrabbiner Dr. Max Beermann-Jnsterburg. I. ' . Die Theodicee als philosophisches Problem. Viele Rätsel bietet das Leben. Der dunkelsten Eines ist der geheimnisvolle Zusammenhang zwischen Geschick und Verdienst, ist die Frage nach dem Grunde und dem Zwecke des Übels in dev Welt. Hier gilt das goethische Wort: „Wir tasten ewig an Problemen." Immer ' wieder suchte die Philosophie hinter das Mysterium der Theodicee zu kommen. Bei Plato und Aristoteles klingt es leise an, int ausgehenden Altertum steht es im Vordergründe des spekulativen Interesses. Die Stoa, trotz der herben Züge einer der gütigen Trostengel am Sterbelager der antiken Kulturwelt, hat sich kräftig an der Lichtung dieses Dunkels versucht: Das Böse, zumal das Unglück des Guten, ist nur ein Nebenergebnis des großen.Wellprozesses und bietet, indem man es überwindet, Gelegenheit zur Bewährung des Guten. Kein schlechtes Raisonnement, sind doch im wesentlichen auch die Späteren — Leibnitz, der große Klassiker unserer Frage, mit einbegriffen — über diese Lösung nicht hinausgeschritten. „Das Übel hat den Zweck, überwunden zu werden," ist auch der Kern seiner Ausführungen.