Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 4-5 (1.4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 104 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Michal: Dir nahm man nur den Freund — (Jonathan macht eine Bewegung des Schmerzes) Du bist ein Mann, Hast Kraft und Mut, kannst ohne Freund auch leben! Ich bin ein Weib — Hab' nichts als meine Liebe — Und einer nur ist's, dem sie ward zu teil. Und diesen Einz'gen nimmt der König mir. Jonathan: Noch haben wir ja David nicht verloren,— Es kommen andre Zeiten. Nach der Nacht Des Unglücks muß des Glückes Tag erscheinen. Michal: Bis dahin bin ich tot! Denn ohne ihn So lang zu leben, trag' ich nicht. Zu schlver Ist diese Bürde für mein junges Herz. Jonathan: Du solltest freuen dich, daß er gerettet! Michal: Ja, ist er's denn! In unsres Königs Landen Wird man ihn hetzen wie ein wildes Tier — Und flieht er ins Philisterland, so harrt Ein niartervoller Tod des Flüchtlings. Jonathan: Schwester, Zu trübe blickst du. David ist klug und tapfer, Geliebt im Land, ivird Schutz und Hülfe findet«. Uits droht ein Krieg mit den Philistern wieder. Wer weiß, ob nicht der Vater ihn zurückruft Zur Zeit der Not, wenn tapfre Arme fehlen! Dann wird, von Trennung tanfendfach vergrößert, Des Gatten Liebe schön'res Glück dir bieten, Als du genössest in vergang'nen Tagen. Gemeinsam Leid ist eine Eisenkette, Die Gatt' und Gattin aneinanderschmiedet. Im Leid wahrt Liebe nur den zarten Duft, Der in des Glückes Gleichmaß sich verflüchtigt. Michal: Könnt' ich dir glauben nur und könnt' ich hoffen, Ihn einmal noch an dieses Herz zu drücken, Es war' zu schön — und also wird's nicht sein! Jonathan: Doch wird es sein! Es soll und muß! Komm' mit Hinein, nimm deine Lautö, spiele mir Ein muntres Lied. Der Töne süße Flut Wird schnell ertränken Gram und Sorg' und Leid. ' (Beide ab nach links). Die Bühne bleibt einen Augenblick leer. II. Scene. Saul. S i m ö i. .„Bon rechts auftretend. Sie sprechen vor dem Eintreten und treten geräuschvoll ein mit allen Zeichen der Erregung. Saul: Der Achimelech, sagst du, der alte Priester Im Heiligtum zu Nob? Es ist unglaublich! Mein Sohn und meine Tochter und die Priester Im Bund mit ihm! Ha, priesterliche Schlange, Ich reiße dir den Giftzahn aus und werde Recht zahm dich machen und dein glattes Fell Dir abziehn, daß die falschen Schlangenaugen Sich dir im Kopfe drehn vor Wut und Schmerz! Geh', laß die Läufer kommen, doch sogleich!