Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 4-5 (1.4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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88 V. Scene. (David erscheint mit dem Haupt und Schwerte des Philisters in der Hand. Bewaffnete hinter ihm. David verneigt sich vor dem König und legt des Philisters Haupt zu seinen Füßen.) Jonathan: (schnell vortretend) Heil dir, o Jüngling! Sag' mir deinen Namen, Daß ew'ge Bnndesbrüderschüft ich schließe Mit dir, dem Jahve seine Huld verliehen. David: David ben Jsai aus Bethlehem. Jonathan: Hier ist mein Waffenrock und hier mein Bogen, Empfange sie als Weihgeschenk von mir. David: Ich nehm' sie an und danke herzlich dir Für deine Liebe, die ich zu verdienen Mein ganzes Leben eifern will. Jonathan: So komm! Laß unsre Waffen uns, wie unsre Herzen, Vereinen zu dem Kampf für Israel, Für unseres Königs und für Jahves Ruhm! (Beide verneigen sich vor Saul und gehen Arm in Arm ab. Die noch auf der Bühne befindlichen Krieger folgen ihnen). VI. Scene. Saul allein. Saul- (düster) Törichter Sohn! sie schreiten Hand in Hand, Wie Kinder — Grüße tauschend mit ben Augen, Versunken einer in des andern Anblick. Ja, Jonathan, daran erkenn' ich dich!. So ganz ich selbst, ein Spiegel meiner Jugend. So voll Vertrauen, achtlos fremder Tücke, War einst auch ich. Ein Held nur im Bewundern Der Andern, feig verbergend eignen Wert. Neidlose Neigung, Zierde jedem andern, Ist schlechte Mitgift für den Königssohn. Wie groß du bist, die Menge sieht es nicht; ihr ist der andre größer, dem du huldigst. Wie wird er steigen, wenn die kecke Tat, Vom Lied erholen, tausendfach vergrößert, In allen Hütten wiederklingen wird. Und steiget er, so fällst du, Jonathan, - Und mit dir deines Vaters Krön' und Scepter. Dann wird erfüllen sich des Sehers Fluch — (Man hört ein Geschrei hinter der Bühne: Heil David, heil dem Sohne Jsais, heil dem Sieger Goliaths). Ihr jauchzt ihm zu und meiner denkt ihr nicht, Der ich in Hunderten durchwachter Nächte, Der ich in tausend kampfesheißen Tagen Für euch gedacht, für euch gekämpft, gelitten! Nun Hab' ich meinen Lohn: Ich bin allein! Mein Sohn ging von mir, und das Volk vergißt mich. Bin ich noch König? Nein, ich bin es nicht! Herunter Krone! Eine Hirtenmütze Hat heut dein Gold zu trübem Blei verdunkelt. So fahre hin, un-