Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 4-5 (1.4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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l — 81 — Diener: Ein Feuer ftfj' ich wohl, doch nicht vom Lager — Ein Opferseuer scheint es mir zu sein. Samuel: Du träumst, mein Junge, dir hat die Sonne wohl Das Hirn erweicht und den Verstand gelockert? Ein Opferfeuer, sagst du, sei's, und weißt doch, Daß Jahve mich den Opfern vorgesetzt. Diener: Ich selber zürne rneinen jungen Augen, Daß sie so gut geseh'n; ach, trögen sie! Doch seht, an hoher Stelle brennt das Feuer. Des Heeres Zelte hausen in der Niederung. Ein Opferhügel ist es ohne Zweifel, Und als Altar muß harter Felsen dienen. Samuel: Dann härte dich, mein Herz, wie jener Felsen. V. Scene. Saul erscheint mit Gefolge von links. (Erschrickt beim Anblick Samuels). Saul (unsicher): Du bist's, ehrwürdiger Seher, Bote Jahves! So lang vergebens harrten deiner wir. Wie nach dem Quell der durst'ge Wand rer späht, So waren unsre Augen auf der Wanderung, O Herr, nach dir. Wir blickten, blickten*» blickten, Bis endlich blöde wir vom Schauen wurden. O, warum kamst du nicht, wie du versprochen? Samuel: So komm' ich denn zu spät und doch zu früh. Zu früh — ich hör's aus deines Stimme Klang, Zu spgt — ich seh's dort aus den Opferfeuern. Sä ul: Verzeihung, Herr, Verzeihung! doch ich mußte — Samuel (ihn heftig unterbrechend): Du mußtest? Was denn mußtest du, o König? Nichts andres doch, als wiarten, bis der Priester kam. f Saul: Doch kamst du nicht, und ich, das Volk, der Feind — Samuel (ihn unterbrechend)!: Ich kam nicht früher, als mich Jahve hieß. Wie könnt' ich künden Jahves heil'gen Willen, Eh' über mich des Gottes Geist gekommen? S ä ul: Ich Hab' gefehlt, ich weiß. Doch was ich tat, Ich tat's gezwungen durch die höchste Not! Es drängt mein Volk mich, und es drängt der Feind. Samuel (heftig): Ei was! Das Volk, der Feind — ein Nichts sind sie, Staubkörner nur in Jahves hohler Hartd! Er ist der Herr der Schlachten, Er befiehlt, Wann du zu kämpfen hast und wo. Denn Jahves Schlachten schlägt Israels König, Und Jahhes Schwert schwingt er dem Feind entgegen. Saul: Ich weiß, daß Gottes ist der Kampf, ich weiß, Daß nur durch Jahve wird dem Volk der Sieg; Und, glaube mir, ich habe früh und spat Vom Herrn des Himmels Zeichen mir erfleht. 1