Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 72 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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72 hätte bartfft) hier die Verbeugung vor der Theologie seiner Konfession vermeiden sollen, der künstlerischen Vollendung seines neuesten Werkes hätte er damit nur gedient. Gegenüber diesem einen großen Fehler, der gerade im Hinblick auf die großen Vorzüge des Romanes nicht ungerügt bleiben durfte, fallen einige kleine Versehen nicht ins Gewicht. Wenn der Autor z. B. einen jüdischen Priester Gott als den „Gott der Rache" anrufen läßt, so ist das ganz unjudisch, wenn er dem Beherrscher Syriens für Angehörige des damaligen Bauernvolks der Juden Bezeichnungen wie „schacherndes Krämervolk" oder „Feiglinge" in den Mund legt, wenn er beim Tode des Antiochus dessen greisen Lehrer Manches den orientalischen Syrern zurufen läßt: „Entblößet Eure Häupter", so entbehrt dies der innern historischen Wahrheit. Doch, wie gesagt, diese kleinen Fehler beeinträchtigen nicht den Wert des in Plan, Aufbau und Durchführung groß angelegten Romanes, der durch sein sonst durchaus naturwahres Colorit auch den Wert eines großartigen, kulturhistorischen Gemäldes besitzt. . Ich weiß mich auf keine Schilderung zu besinnen, die in so dramatischer Lebendigkeit, in so hinreißender Weise die todesmutige, alles überwindende Kampfesweise des gottbegeistertey Makkabäerhäufleins, die Plünderung des Tempels durch die habgierigen Syrerfürsten, die hohe sittliche Reinheit der der Lehre Moses auch in Wahrheit ergebenen Priester darstettte, wo selbst einfache Beschreibungen wie die der Lage Jerusalems, der Lage und des Planes des Tempels in so unterhaltender und spannender Weise in den Gang der Handlung verwoben sind, wie in diesem Werke. Dabei unterbrechen keine gelehrten Anmerkungen in oder unter dem Texte den Fluß der Erzählung, trotzdem man. jeder Seite die tüchtigen Vorstudien des Autors anmerkt. Wer in der reiferen jüdischen Jugend Verständnis und Begeisterung für Israels große Vergangenheit wecken will, der vermittle ihr die Lektüre der betreffenden Kapitel des „Volksverächters". Dem gereiften Leser aber kann man trotz der angeführten Schwächen die Lektüre des ganzen Buches als einer außerordentlich genußreichen warm empfehlen. Freilich wird nicht bloß der jüdische, sondern jeder künstlerisch gerüstete Leser die christlich-theologischen Reflexionen, die sich allerdings nur auf wenige Seiten erstrecken, als eine Störung empfinden. Sie machen das Werk — nach meiner Überzeugung gegen die Absicht des Dichters — zu einem kirchlich-christlichen, ihre Entfernung würde seine Völlendung in künstlerischem Sinne bedeuten. - Bernhard Coblenz. Inhalt: Aus einem Börtrage Emil Lehmanns über Gabriel Riesser. — Worte des Dankes. Jüdische Reformbestrebungen in Frankreich. — Bericht über die dritte Tagung der Deutschen Coyfereuzgemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle. — Monatschau. Referate und Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; Druck von H. L. BrönnSr's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.