Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2970002-2970005--7871-2978566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 40 Zeitung, der um so interessanter ist, als er von einem schlichten russischen Bauersmann geschrieben ist, der seiner ganzen innerlichen Empörung über die letzten grauenhaften Exzesse gegen die Juden in Shitomir folgendermaßen Ausdruck gibt: „Teurer Redakteur! Mit Tränen bitte ich Sie, nicht mehr zu schreiben, daß Christen gegen Juden sich zu Ausschreitungen Hinreißen lassen oder sie gar ermorden. Das sind keine Christen, welche ihrem Nächsten Böses wünschen. Die Christen haben immer geliebt und lieben alle Menschen. Christen machen höchstens das, daß sie, so sie jemand beleidigt, Gott bitten, diesem zu vergeben, da er nicht weiß, was er tut. Die Christen haben bei Jesus Christus gelernt, der da sagt: Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Matth. 5, 44, 45. Ich beschwöre Sie, Herr Redakteur, bei allem, was Ihnen teuer ist, erleichern sie mir ein schweres Leiden. Mit Tränen bitte ich meinen himmlischen Vater seine Engel zu Ihnen zu senden, damit sie Ihrem Herzen eingeben, Sie möchten mein inniges Flehen erhören, nämlich, daß die Christen nie und niemanden beleidigen, viel weniger noch sich zu Verwüstungen und Blutvergießen hinreißen lassen. Laßt alle Juden wissen, daß wir sie lieben. In Hochachtung verbleibe ich mit Gottvertrauen der Christ Michael Kaschtanow, Bauer." — Was— so schreibt die Redaktion der „Kiewskie Otklikie" — was soll man noch hinzufügen solch schlichten schönen Worten einer reinen christlichen Seele? Es erübrigt nur noch, diejenigen, welche sich Christen nennen, zu fragen, ob viele'von Ihnen auf diesen Namen ein Recht haben. Der Artikel schließt mit den Worten des nordischen Dichters Nadson: Wo bist Du, Christus, Wo ist Deiner Wahrheit, Deiner Freiheit und Liebe Unsterblicher Strahlenglanz? Siehe! wieder entweiht, . Ist von Trödlern Dein Haus. Und das Schwert, das einst Du gebracht, Befleckt ist es von Händen, An denen Blut der Märtyrer klebt. Momttslediui. Am 4. Januar tagte in Frankfurt a. M. eine Konferenz, die im Interesse der notleidenden russischen Juden und der nichtjüdischen Personen, die aus Anlaß der