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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-01-01 · Heft 1 (1.1.1906) · p. Seite 18

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 1 (1.1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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18 Dhs Schandmal der Verfolgung und Ermordung Unschuldiger um ihres Glaubens willen vermag keinerlei spätere Kultur mehr zu tilgen. j Und wer hätte es geglaubt, wer es für möglich gehalten, daß unser Zeitalter itdj) mit diesem Schandand Brandmale behaften werde, unsere Zeit und unser Zeitalter, das so stolz auf seme Kultur ist und sich das gesegnete, das gepriesene Zeitalter de^ Fortschritts nennt? Und ich sage mit vollem Vorbedachte: unser Zeitalter, denn was in den jüngsten Wochen in Rußland geschehen ist, schändet nicht allein das russische Volk und seine Regierung, sondern schändet die ganze Menschheit und macht sie zu Mitschuldigen, sobald nickst aus der Brust aller, und seien sie welcher Konfession immer, allpr, die auf den Ehrennamen Mensch Anspruch erheben, der tiefe Entriistungsschrei darüber sich erhebt, daß Menschen derart zu Massenmördern herabsinken konnten. Ja, die ganze Menschheit erscheint geschändet und als Mitschuldige, sobald derartige fürchterliche Vorkommnisse als Iudenfragen isoliert und behandelt werden, nicht aber als allgemeine Menschheitsfragen von selbst zu einem einheitlichen machtvollen Vorgehen aller Kulturvölker zur ferneren; Verhütung solcher Schreckenstaten herausfordern. Aber, verehrte Tra!uerversammlung, der Moment ist zu ernst, um in Idealen zu schwelgen. Und mehr als ein Ideal ist es ja doch nicht, daß unser, der Juden Leid, Mtnschheitsleid sein sollte. Heute, wie bisher immer noch, ist unser Leid eben nur unser Leid, ist unser allein der Schmerz, haben allein wir Juden unsere Geschichte um einen traurigen Gedenktag mehr bereichert, werden wir unseren Kindern und Enkeln zu! erzählen haben von der großen russischen Judenabschlachtung im 20. Jahrhundert. Und wenn wir, wenn sitzen und klagen werden die Klagelieder des alten sie aw 9. Ab., dem großen jüdischen Trauertage, am Boden über den Fall Jerusalems und -a tieftraurig singen werden Jeremias, dann wird sich immer Einer finden, der ihnen mit leichen! Nein, Schlimmeres, weit Schlimmeres, denn damals e Krieger, zu denen die Menschen entarteten, 2000 Jahre Recht zurufen wird: .,ZHas klaget Ihr um Jahrtausende altes Leid, näher liegt dergleichen ja Euch!" Derc waren es nur barbarisch spqter wurden sie in Rußland zu wilden Tieren; schlimmer noch: im alten Jerusalem war es ein kämpfendes b stiegtes Volk, das man so barbarisch behandelte, im modernen Rußland waren es wehrlose Menschen, die man zu vielen Tausenden ermordete; schlimmer noch: im alten Jerusalens stand keine Regierung über den Juden, die zu deren Schutz berufen gewesen wäre, ily modernen Rußland war es eben die zum Schutze der Juden berufene Regierung, die ihr fluchbeladenes Dasein mit Hilfe des jüdischen Blutes fortfristen zu können hoffte; mißbrauchten da nicht ein seinen Feind lieben sollte; und immer noch schlimmer: die alten Babylonier und Römer lie Religion der Liebe, wußten nichts davon, daß man auch und immer noch schlimmer: Greise, Frauen, Mädchen, Kinder zu vielen Tausenden zu Ermorden, brachte nicht einmal die babylonische Und römische Soldateska übe^ sich! Ja, verehrte Trau^rversammlung, in den Schatten, weit in den Schatten gestellt,

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