Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1905)
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 240 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Welt so gut wie vergessen ftttfy aber in August Beckers Jugendzeit unter uns wohl noch genauer bekannt wären, als! unsere Schiller und Goethe. Die schönen historischen Phantasien Walter Scotts unh die aufregenden Erfindungen Eugen Sues waren sicherlich.die Bücher, an denen sich Beckers dichterische Technik mit oder ohne Bewußtsein gebildet hatte. Die beiden Elemente vertragen sich künstlerisch nicht sehr gut mit einander; aber Beckers romantische Eigentümlichkeit ist doch stark genug, um die Teile zu einem ganzen zu verbinden. Aber Becker erhebt sich doch wieder durch die Charakteristik der Personen, welche bei dem Franzosen ganz schablonenhaft, bei Becker jedoch eben der großen Kunst! Walter Scotts verwandt ist. Einzelne Gestalten heben sich rund und lebendig von dein Hintergründe ab. und sind schon äußerlich so deutlich gezeichnet, als hätte der Dichter sie mit den Augen eines Malers betrachtet. Und auch darin erweist sich Becker vielleicht als ein übrig gebliebener und nun wieder^ auferstandener Romantiker, daß ^r die Poesie dazu benützt, bildnerische und musikalische Wirkungen zu erzielen und wohl auch über die Aufgaben der Schwesterkünste geistreich zu plaudern. — „Briefwechsel! des .jungen Börne und der Henriette Herz." Herausgegeben von Ludwig Geig er. G!c. 8°. äleg. broschiert Mk. 3.—. In Orig.-Einband Mk. 4.—. Bon dieser Korrespondenz wapen die Briefe der schönen und geistvollen Henriette Herz völlig unbekannt und ganz unbenutzt, die Briefe des jungen Börne — aus den Jahren 1803 bis 1806 — nur einmal im Jahre 1861 ediert. Erst durch die Antworten der genannten Frau erlangen sie ihre volle Wirkung. Sie sind ein rechtes Stück aus der Blütezeit der deutschen Romantik. Der knabenhafte Jüngling, der später einer der glänzendsten deutschen Schriftsteller wurde, verliebt sich leidenschaftlich in die schöne Fräü, bei derem Gatten er itr Pension war, wird zwar von ihr abgewiesen, erlangt über in ihr eine mütterliche Freundin, die weit früher als andere sein großes Talent erkennt und auf ihn erziehend! einzuwirken sucht. Es handelt sich aber in diesen Briefen nicht nur um. stammelnde Bekenntnisse und beruhigende Abmahnungen, sondern umlebensvolle Schilderungen aus idem damaligen Berliner Leben, aus Halle und Heidelberg. Die Jugendzeit eines sehr mmUnrecht verkannten und vergessenen genialen Autors, das Uehenswürdige Wesen einer schönen und verständigen Frau, die damals die gefeiertste Dame der Berliner Gesellschaft war, wird durch diese authentischen Äußerungen äüfs zahlreiche Publikationen bekannte Herausgeber Professor größeren Einleitung diese merkwürdigen Dokumente gebellste beleuchtet. Der durch Ludwig Geiger hat in einer würdigt und in zahlreichen Anmerkungen das zur Erklärung Nötige beigebrächt. Inh all: Zur Erinnerung an Synagoge in Bieleftl,! Monatsschau. — Res Dr. M. Kayserting s. A. — Predigt zur Einweihung der neuen b. — Die Herodierzeit im Spiegel moderner DratneU. — ^rate und Mitteilungen. Verantwortlicher Dtuck von H. L. Brönner's Dp dakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; uckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.