Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 213 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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213 aber dem - Werte der Bibel keinen Eintrag, deren Geist unberührt bleibt und der für uns verkörpert ist in den Propheten. In dem Vortrage über die Legende vom Turm zu Babel weist Sulivan darauf hin, daß die Juden die Reinheit ihres prophetischen Glaubens dadurch befleckt haben, daß sie während des fünften und sechsten Jahrhunderts in der Babylonischen Gefangenschaft Mythen und Legenden als Teil der Nationalreligion annahmey. Auch die iuspivierte Philologie, wonach Babel mit „Verwirren, Zerstreuen" in Zusammenhang gebracht wird, beruht auf völligem Irrtum, da Babel vielmehr „die Pforte Gottes" bedeutet. In der Legende vom Antichrist wird unter anderem darauf hingewiesen, daß wenn man bei den Worten Neron Kaisar, in hebräischen Zeichen geschrieben, den Zahlenwert der Buchstaben addiere, die genaue Summe <J66 herauskomme, das Jahr des großen Gerichtes ist. Ter Antichrist figuriert auch im Koran, in „Tausend und einer Nacht". Tie Geschichte vom „Antichrist" ist auf eine hebräische Mythe zurückzuführen, wo Armillins als großer Autimessias bezeichnet wird. Im Armenischen lautet der Name des Antichrist Nehru, welches eine Übersetzung des Wortes Nero ist. Ja der Legende von Judas Jschariot ist der Eigenname gleich Jsch-Kerioth „der-Mann aus Kerroty". Wahrscheinlich ist nach Sntwan, daß „Jschariot" als „Jerichotes", der Mann ays Jericho entstanden ist, wie denn auch die Bezeichnung als „Kleptes", Dieb in „Kalepos" zu verwandeln ist, welches „harter Charakter" bezeichnet. Tie Fabel von Jndas Jschariot stamme auch aus dem alten Testament und sei nur auf Ahitofel hingewiesen, der David verrät und sich dann erhängt. Das vor Kurzem entdeckte „Evangelium nach St. Petrus" läßt die zwölf Apostel des Herrn nach dem Tode Christi weinen und trauern, wonach Jndas also auch kein Verräter sein konnte. Ter Autor des Petrus-Evangeliums kennt eben die später entstandene Jschariot-Legende noch nicht. Judas ist erst in der Paulinischen Zeit zum Verräter gestempelt worden, weil er im Gegensätze zu Paulus jener Partei angehörte, die das Evangelium verrieten, indem sie es an einen Leichnam banden, an das tote mosaische Gesetz. Wir wollen hier den Schlußsatz dieses Vortrages anführen: Christus wurde von den jüdischen Priestern gehaßt und mag von ihnen angezeigt worden sein, aber gefangen, verhört und verurteilt haben ihn die Römer — sowie sie ein Dutzend anderer Prediger, Reformer und Mefsiasse jener Zeit, die man für gefährliche Männer und politische Feuerbrände hielt, verurteilt haben. Für alle diese Vorfälle sind Gegner des jüdischen Namens und der jüdischen Rasse verantwortlich, wie sie auch verantwortlich sind für die späteren Passahgeschichten mit dem geopferten Blut christlicher Kinder. In dem letzten der fünf interessanten Vorträge wird die Legende von der Päpstin Johanna behandelt. Johanna eine Engländerin im neunten Jahrhundert schön und begabt, soll sich in einen Mönch verliebt haben. Um ihm nahe zu sein,' legte sie Ordenstracht an und wurde als Mitglied in die Brüderschaft ausgenommen. Beide verließen dann das Kloster, begaben sich nach Athen llm sich dort weiter zu bilden/ Als der Gefährte stirbt, geht sie verkleidet nach Rom. Sie hat dort über Erwarten