Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 209 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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209 Herzens, die ihm viel höher standen als totes Formenwerk und werkheilige Frömmigkeit. Tausend und aber Tausende wurden durch ihn zu echter Frömmigkeit angeregt zur Duldsamkeit, zur Friedfertigkeit. Bon diesen beiden Denkern wollen luir nun Festbetrachtungen folgen lassen und zwar vorerst die Selbstbetrachtung Bachjas, die am Bersöhnungstage in allen sefardischen Synagogen von Andächtigen gelesen wird und dann Gebirols ergreifende Bußhymne: Preise meine Seele den Herrn — Und mein Innerstes seinen heiligen Namen— Tritt auf mein Geist mit Macht — Und deinen Schöpfer preise — In holder Liedesweise — Und klag ihm deinen Kummer — Erwach ans deinem Schlummer! — Ans deine Heimat wende deinen Blick — Woher du kommst, wohin du gehst zurück. -- Mein Geist aus deinen! Schlaf erstehe — Zu deinem Schöpfer stehe — Mein Geist sei nicht vernunftlos — Wie das Tier versunken — Nicht wie Berauschter trunken — Tu stammst aus Weisheitsquelle — Aus Lichtesstrom eine Welle. — Mein Geist! leg an der Ewigkeit Gewand — Umgürte dich mit der Erkenntnis Band*--7 Entreiße dich in deiner Kraft — Des Leibes Fesseln, seiner Haft — Wie leichter Wellenschaum — Zerstiebt der Erde Traum. — Mein Geist! O schau mit offnem Sinn — Auf deine Wanderstraße hin — Wie Alles ward aus Staub auf Erden — Wie Alles wird zum Staube werden — Wie jeglich Leben und Gebild — Wenn seine Zeit es hat erfüllt — Zum Staub wird wiederkömmen — Bon dem es ward genommen. —? Über die morsche Brücke hin — Muß alles Erdenleben ziehn — Das Leben der Eingang — Der Tod der Ausgang - Das Leben baut — Der Tod reißt nieder — Das Löben säet — Der Tod mähet — Das Leben schafft — Der Tod entrafft — Das Leben bindet — Der Tod entwindet — Das Leben reihet — Der Tod zerstreuet. — Das merke und sieh! Auch dir — Wird er den Becher reichen — Tann wirst du aus der trauten Wohnung weichen — Wenn deine Stunde naht im Augenblick — Und kettest in das elvige Haus zurück — Dann wirst du deinen Lohn empfangen — Und deinen Sold erlangen — Für deine Arbeit den Entgelt. — Mein Geist! Mit reicher Kost - Bersieh dich in der Zeit — So lange du Macht hast und Gelegenheit — Denn der Weg ist weit — Sprich nicht: ich will erst morgen — Mit Nahrung mich versorgen — Es fleucht der Tag — Tu weißt nicht was er heute bringen mag — Das Gestern ist ohne Widerruf entflogen! — Nur was du an chm tatst, das ist gezählt gewogen — Sprich nicht, das tue ich morgen — Ter Todestag ist jedem Lebenden verborgen — Drum eil' und tu' an jedem Tag sein Teil — Es schnellt der Tod in jeder Stunde Blitz und Pfeil. — Mein Geist, so du weise bist, ist's dein Gewinn — Dein Schaden — hegst du eitlen Thorensinn — Drum höre Warnung an, sei klug, verwirf nicht Rat — Zu Herzen nimm, was der Weise einst gesprochen hat — Das Höchst und Letzte ist: Fürchte deinen Gott — Bewahre treulich sejn Gebot — Das macht den ganzen Menschen aus