Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Adolf Mrüü"s Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zue Welehrung über das Judentum für Gebildktr aller Konfessionen. <Srga» des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und posianstalten des In- und Auslandes zum preise voll Mk. 0.— pro Jahrgang. 25. Jahrgang Frankfurt a. M., den I, August 1905. Kummer 8. Vom vii. Lionlßen-Ikongreb in Lskei. Vom 27. Juli bis zum 2. Augpst tagte in Basel unter Vorsitz Dr. Max Nordaus der siebente Zionisten-Kongreß, der qrfte nach dem Tode Theodor Herzls, seines Begründers, dessen Bild über dem Präsidententische trauerumflort angebracht war, während draußen vom Kasinosaale, am Barfiißerplatze, wo eine bunte, aus den verschiedenen Ländern herbeigekommene Menge hin- und herwogte, die blauweiße Fahne festlich niederwallte. Die Eröffnungssitzung gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung für den allzufrüh Heimgegangenen Führer, dem Nordau die tiefempfundene Gedenkrede hielt. Fehlte ihm, dem durch Krankheit sichtlich hinfällig gewordenen Manne auch die ihm früher zu eigen gewesene feurige Macht der Beredsamkeit, die alle mit sich fortzureißen im Stande war, so machte er doch mit seinen von Herzen kommenden Worten, die sich durch Schlichtheit und Einfachheit auszeichneten und welchen der eigene Schmerz eine tiefe Wirksamkeit verlieh, einen mächtigen Eindruck, die der herrschenden Stimmung würdigen Ausdruck gaben. Er schilderte Herzt als ein Willensgenie, der auf sein Volk wie auf einen Ursels baute, lvährend es sich als Flugsand erwies, als einen durch und durch edlen Menschen und Juden, der schaudernd in den Abgrund roher Bestialität blickte und ein gebrochenes Volk geraderichten wollte. Herzl, der 35 Jahre seines Lebens ferne vom Judentum, rein schriftstellerischen und künstlerischen Bestrebungen hingegeben war, wurde durch den judenfeindlichen Ansturm in Paris urplötzlich ein Anderer. Früher