Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Seine Worte sind gleichsam ans einen prophetischen Ton gestimmt, es liegt über ihnen eine an die Bibel gemahnende Hoheit und Weihe. Ihm eignet eine Wucht und Kraft der Sprache, eine Majestät und Erhabenheit des Ausdrucks, die begeistern und fortreißen. Schönheit und Fülle waltet in seinen Bildern. Ein Sturm des Enthusiasmus wogt in seinen Worten. Eine Sonne non Weisheit leuchtet ans seinen Versen. Alle Töne und alle Formen beherrscht er, bald singt er liebliche Weisen wie ein Psalmist, bald gibt er erhabene Mahnungen gleich den, biblischen Sehern. Immer aber wirkt er durch das Schöne auf das Gute, durch seihe Kunst auf unser Gemüt, durch seine Gestalten auf unser Leben. Eine Kanzel ist ihm die Bühne, den Weg zum sittlichen Ideal zeigt seine Muse. Er. der Prediger werden sollte, ward es auch — in seinen Dramen. Der Menschheit große Gegenstände: Freiheit, Vaterland und Freundschaft sind seine Lieblingsthemen. Ter Glocke gleich oben am Turm des Gotteshauses darf auch er bekennen: Yivos voco. ich rufe die Lebenden — zur Freiheit, Mortuos plancro, ich beklage, die tot sind — fürs Vaterland, Ful^ura franko, ich breche die Blitze, ich trotze dem Wetter, ein Bild der — Freundschaft. * * j * Ich rufe die Lebenden — zur Freiheit! So erklingt es schon in seinem Erstlingswerk „Die Räuber". Wie seinem nachmaligem Helden Carlos, lief es ihm schon damals feurig durch die Wangen, wenn man von Freiheit sprach. Otto Ludwig hat das Drama kurz und treffend gekennzeichnet: eine Leidenschaftstragödie nach Shakespeareschem Zuschnitt. Rousseausche Freiheüssordernng wird darin gepredigt: Zurück aus der Knlturverderbnis der Stadt in den Waldfrieden der Natur. Auf gegen die verderbliche Knechtschaft der Sitte! Freie Bahn für kraftvolles Wirken! „Mir ekelt, sagt des Stückes Held, vor diesem tintenktexenden Säeulum, wenn ich in meinem Plutarch lese von großen Männern." Schon die Titelviguette gab eine deutliche Losung, ein aufgesprungener Löwe mit gewaltig erhobener Tatze und darunter in lapidarischer Kürze: In tyrannos gegen die Bedrücker. In der Tat gegen Bedrücker und Bedrückung, gegen erniedrigenden Zwang und entwürdigende Heuchelei schleudert der Dichter seine Anklagen mit herzandringender Beredsamkeit. Der abgeklärte Goethe mußte sich von den paradoxen Schrvarmworten und der revolutionären Grundstimmung dieser Dichtung abgestoßen fühlen. Und doch sind auch hier schon Ansätze zur Verinnerlichung und Vertiefung des Freiheitsbegrisies. Der Gegensatz zwischen Truck und Freiheit wird auf das sittliche Gebiet übertragen, und im tragischen Geschick des Helden siegt doch schließlich — wie der Dichter selbst im Vorwort hervorhebt — die sittliche Weltordnung. Noch ganz unter dem Banne des französischen Freiheitsapostels steht der Dichter im „Fiesko". Freilich ist hier die Scenerie eine andere. Nicht mehr schwankende Gebilde einer ersonnenen Ränberromantik, treu überlieferte historische Gestatten sind des Dichters Mund, um seine von ihm damals ehrlich empfundene Begeisterung für republikanische Freiheit auszusprechen. Jntmer noch steht er im Zeichen von Sturm und Drang. Läßt er auch seine Helden nicht mehr im Kraftmeierstil der Räuber