Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2970014-2970018--7543-2978228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dr. Adolf Wrülrs Populär - wissenschaftliche Monafsblätter zur Weleyrun^ über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. <^u beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes zum preise rioit Mk. o.— pro Jahrgang. 25. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. März 1905. Dummer 2. Das Volk Reifen Wachens. (Line populärwissenschaftliche 3tubie von Dr. Linien Mandl, Rabbiner, Neutitschein. Der Gottesbegriff ist der denkbar populärste Gedanke. Jeder Mensch und sei es der beschränkteste, empfindet einmal im Leben, einen mehr oder minder klaren Schimmer desselben. Aber er ist auch zugleich der abstrakteste Gedanke. Denn er fordert eine möglichst klare Auffassung von einem Wesen, welches keinem Sterblichen je von Angesicht zu Angesicht deutlich wird. Und so glaube ich denn, mit der Besprechung dieses populärsten und zugleich eminent wissenschaftlichen Problems den populär-wissenschaftlichen Bestrebungen dieser gesch. Blätter am besten zu entsprechen. Die Wahrheit, welcher „das Volk der Schrift" das andere Prädikat: „Das Volk steifen Nackens" verdankt, es ist der Monotheismus. Denn e| hat denselben am hart näckigsten unter allen Völkern bewahrt. Bei ihm heißt diese Hartnäckigkeit nichts anderes, als Treue. Die bewußte Hartnäckigkeit, die von ihrer Ueberzeugung jederzeit sich Rechen schaft ablegen kann, sie ist nicht zu verwechseln mit unbewußtem Starrsinn. Quillt doch auch „die deutsche Treue" aus derselben Quelle, aus welcher „das Volk der Dichter und Denker" seine edelsten Kräfte schöpft. Schon Tacitus erkannte dies, indem er erzählt, daß die alten Germanen den Namen Hartnäckigkeit mit fides bezeichneten. *j Nur wer von seinem Standpunkt nicht überzeugt ist, nur der ist ein Knecht desselben, dessen Herr aber ist der Denkende, der täglich ihn erobern muß. Der Edle *) Hitirt bei Georg Brandes: Gesam. Lchriften, München 1W2, I. 325.