Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 276 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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276! des „More" in Frankeich. — Von dieser Zeit an hörte christlicherseits der Strei, gegen die talmudischen Schriften durch drei Jahrhunderte nicht auf, bis derselbe, am Anfang des 16. Jahrhunderts durch den elenden Täufling Johannes Pfefferkorn faufs Neue entzündet und geschürt von ebendenselben verfolgungssüchtigen Domini- ' kauern, in Helle Flammen ausbrach, um durch die warme Verteidigung des edlen j «nd gelehrten, um höhere Bildung und geistigen Fortschritt in Deutschland hoch- \ verdienten, als einer der Vorläufer der großen Kirchenumgestaltung zu betrachtenden fJohannes Reuchlin fast ganz ausgelöscht und beseitigt zu werde», i Nach der erwähnten Verbrennung des Talmuds zu Montpellier und Paris ruhte unter den Juden der Streit gegen die Maimonidischen Schriften niehrere ^Jahrzehnte lang in Frankreich und Spanien, um am Ende des Jahrhunderts im Mprgenlande neu aufzutauchen, wo sich aber ein Enkel Maimoni's, David b. Abraham, d/r Ehre seines geschmähten Großvaters annahm; und ein von ihm, unter Zustimmung der bedeutendsten Gemeinden, wider die Gegner ausgegangener strenger Bann, der auch nach Europa versendet ward, dämpfte den Streit. Nicht auf lange. Denn am Anfänge des 14. Jahrhunderts brach derselbe, und zwar wieder in der P angesehenen Gemeinde von Montpellier, mit frischer Heftigkeit aus. Der berühmte R. Salomo b. Adereth, „Raschba“ der auf dem Rabbinerstuhle zu Barcelona in hohen Ehren saß, wurde in den Kampf gezogen, und unter seiner Befürwortung war - man nahe daran, den Streit dahin zu vermitteln, daß, unter Androhung des Bannes, die Jugend von der Beschäftigung mit allen nichtrabbinischen Wissenschaften — mit . Ausnahme der Arzneikunde — fern bleiben und erst nach zurückgelegtem dreißigsten V Lebensjahre sich mit denselben befassen solle. Diese Beschränkung aber wollten fich l die Freunde der Wissenschaft zu Montpellier, an ihrer Spitze ein aus der Familie gf der Tibboniden stammender, unter Juden und Christen hochgeachteter Gelehrter — \ Jakob b. Machir — nicht gefallen lassen; Verwahrung und scharfer Tadel erßing | nach Barcelona — Ben Adereth schwankte. Da bekam die Wagschale der Eiferer gegen wissenschaftliche Erleuchtung für den Augenblick das Übergewicht durch die , Einwanderung eines wegen seiner talmudischen Gelehrsamkeit weitgepriesenen Mannes i?aus Deutschlcmd, Rabbenu Ascher, der den Rabbinerstuhl zu Toledo bestieg und ' dessen gesctzeifnger Natur es überhaupt widerstrebte, selbst in reiferem Alter sich mit irgend einem anderen Gegenstände des Wissens außer der heiligen Tora zu beschäf» . tigen. Reo Adereth wurde bestärkt und der Bann blieb in Kraft. — Der traurige L Meinungsstreit zu Montpellier fand aber seine traurigere Lösung durch die bald er-! folgte Vertreibung aller Juden aus den Landen des Königs von Frankreich. malkmäi