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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-12-01 · Heft 12 (1.12.1904) · p. Seite 266

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 12 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
Seite 266 (sequence 4)
Language
German
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266 die unsichtbare Hand der Geschichte sie beteits in neue Bahnen gelenkt hat. Und so haben wir denn auch j in unserer kampfbewegten Zeit, in der die Geister nach einer neuen Weltanschauung ringen, trotzdem, daß wir in den letzten Jahrzehnten von außen her vielfach befehdet und angegriffen wurden, trotzdem daß sich im Innern des Judentums tine rückschrittliche Bewegung bemerkbar gemacht hat, bei einer tieferen Betrachtung der geschichtlichen Strömungen keinen Grund zur Klage, wenn wir unsere Gegenwart mit unserer Vergangenheit vergleichen. Wir sind dennoch um ein gutes Stück vorwärts gekommen und ein Zurück in die alten Verhältnisse ist ausgeschlossen. Nie wurde über das Wesen, über die Bedeutung der Judentums soviel gedacht, geforscht, geschrieben und gesprochen wie gerade in der Gegenwart und in unterer von Kämpfen aller Art zerwühlten und zerrissenen Zeit, schwirren nicht n»t giftige Pfeile aus den verschiedenen Lagern, sondern eS erklingen auch herrliche Stimmen des Friedens, der Liebe und der Versöhnung und die Spitzen der Berge sind schon von dem Morgenrot einer neuen Zeit umglüht, wenn auch über den Niederungen des Alltaglebens noch Nebel und Finsternis sich lagern. Wir brauchen pur unsere Aufmerksamkeit auf Prof. Harnacks Vorlesungen über das Wesen des Christentums zu lenken, die trotz der vielen Fehler und Mängel, die ihnen anhaften als eine hochwichtige literarische Erscheinung anzusehen sind, die die glänzendste Rechtfertigung des Judentums bedeutet und einen Schritt weiter in der Rückkehr des Christentums zum prophetischen Judentum. Ja, die Schrift Harnacks die bedeutet, ü>ie dies auch vielfach von jüdisch - theologischer Seite her» vorgehoben wurde eine noch nicht dagewesene Würdigung und Anerkennung des Judentums und eine geistige Annäherung an dasselbe, mit der wir . uns aus vollem Herzen freuen, die uns in unserer Treue und Anhänglichkeit an dasselbe nur bestärken kann und uns für gar manche Bitternisse, die wir erfahren haben, einigermaßen Entschädigung bietet. Solche Würdigung, solche Anerkennung und eine solche geistige Annäherung mahnt, uns aber auch niehr denn je, das, was unsere Ahnen in heißen Kämpfen errungen haben nicht prciszugeben, mahnt uns mehr denn je nicht müde zu werden^ in der Hervorkehrnng und Hervorhebung unserer ethischen, völkerverbindenden und menschenverbrüdernden Gedanken, die den innersten Kern und den unsterblichen unbestrittenen Gehalt des Judentums ausmachen, mahnt uns nicht müde zu werden und besonnen aber auch entschieden für die geistigen Errungenschaften des modernen! Judentums mit all unseren Kräften einzustehen. Abraham Geiger, der Begründet der modernen jüdischen Theologie, hat im Jahre 1840 bei Gelegenheit einer Audienz an der Spitzt einer Deputation der Schlesischen Judenheit bei Friedrich Wilhelm IV. diesem auf seine Aeußerung: Ich habe bis jetzt die jüdischen Angelegenheiten nicht aus dem religiösen Gesichtspunkte, sondern nur aus dem nationalen betrachtet, die bedeutungsvolle Antwort gegeben: Ew. Majestät wollen gnädigst verzei! Bezug auf Bolkstum en, wenn ich dagegen zu bemerken wage, daß wir Juden im uns nur als einen Teil desjenigen Staates betrachten, dem

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