Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1904)
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 252 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermächtnis ihrer nnve im Druck der Zeiten, So einseitig und dürftig ihr Schulwesen. Ein Wonatsschau. Man schreibt uns: Am 15. Oktober fand eine Sitzung der wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Kerlin statt. Auf der Tagesordnung stand zunächst ein Vortrag über „das Schnlprogramm der Alliance Israelite Universelle" von Dem Sekretär des deutschen Bureaus der Alliance! Dr- W. Friedländer. Der Vortragende führte Die Schulen der Alliance sollen die Juden in den Ländern des Islams wieder vorwärts bringe», wiederuiil in Reih und Glied stellen und i» geistige Verbindung setzen mit den Inden in den andern Ländern. Unsere GlaubenSbrüder in den fcrnablicgenden Ländern Nord-Afrikas, Syriens, Persiens sind ivohl hinsichtlich der allgemeinen wie der jüdischen Kultur verkümmert. Sie haben das rgeßlichen babylonischen, spanischen, maurischen Vorfahren m Dunkel ihrer Umgebung nicht zu bewahren vermocht, wie ihre kulturelle Arbeit überhaupt, ward auch allniählich ihechanisches Wissen um Gut und Böse im religiösen Kult, vielfach mit mystischem Aberglaube» versetzt, ist das ideelle, ein leidliches Verständnis hebräischer Bibel- und Gebetsstücke das formale Ziel ihres einheimischen Unterrichts. Die Realien sind ihnen so gut wie »»bekannt geworden, ei» wenig Rechnen genügt ihnen für den traditionellen Kleiuhändlerberuf. Gegenüber diesem veraltete» Programm hätten die weiterverbreiteten Schule» der christlichen Brüderjchasten und Vereine, die gar zu gery jüdische Kinder bei sich ausnehme», einen leichten Stand, wenn die Schulen der Alliance nicht wären und sich nicht fortgesetzt mehrten und befestigten. In den vihr Jahrzehnten ihres Bestehens haben sich diese zu einem vollständigen, einheitlichi geleiteten System entwickelt, das auf der Grundlage von über 100 Elementar- Knaben- und Mädchenschulen aufsteigt zu einem planvollen Complex von Lehrlings-Instituten, Mädcheiiwerkstätten, Gewerbe- und Ackerbanschulen und gekrönt wirif von dem Lehrer-Seminar in Paris, das einerseits neuerdings ergänzt wird in hem Rabbiucr-Seniinar zu Konstantinopel. Die Elementar-, schulen bieten zunächst das, womit die christlichen Missionsschulen die etwas weiterblickenden jüdischen Elter» mit großem Erfolg zu ködern suchen: allgemeine Bildung; also eine europäische Sprache und deren Litieratur, vor allem das im Orient gar sehr geschätzte Französisch, aber auch Englisch, wie in Aegypten und in den Schulen Mesepotamiens, wo Aflswanderuiig nach Indien winkt, oder Spanisch, wie in Marokko, das schon gajnze Judenkvloiiien »ach Süd-Amerika hinausgeschickt hat, oder Deutsch wie in Jerusalem oder Konstantinopel unter den deutsch-polnischen Gemeinden. Der Unteiricht in der Landessprache, arabisch, türkisch, bulgarisch, nintint gleichfalls .eine!hohc Stellung ein. Man legt auf ihn im Interesse des sozialen Friedens besonders Gewicht. Weltgeschichte wird nicht in militaristischem Sinne gelehrt. Um dt» Spracheimnterricht nicht überwuchern zu lassen, betont man gegenwärtig von feisten der Leitung, zumal ans Grund der Erfahrungen, die