Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 185 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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LaubhüttenM. Bon Leopold Kompert. Schöir ist's, wenn am Abend des Neujahrstages der Hausvater über eine Frucht als den Erstling des Bodens den Segen spricht. Schön ist auch das Laubhüttenfrst mit seinen grünen Hallen, schön das Wochenfest, wenn sich die Synagoge zur Ehre der zehn Gebote mit dem Schmucke der Wiesen und Gärten ziert! Namentlich ihr holden Laubhüttentage gefallt mir, der Geist meiner Kindheit wandelt in euch herum wie in einem Paradiese- — „Jom Kippur" ist vorder» der lange, martervolle Tag! Ohne Priester und Abendmahl hat sich die Seel« selbst Ablcr; gegeben; im Himmel hat Gott den Schuldbrief zerissen und sie kann nun wiedei ansjauchzen in Lust und — Sünde. Was kommt da natürlicher als das Laubhiittenfest? Grün ist die Farbe des Lebens, grün die Freude des Auge-! Die Zerknirschung des Jom Kippur soll aufgehen unter der schwellenden Lust der Laubhütten * * * Ich bleibe bei dir, schönes Fest! Welch ein fröhliches Getümmel vor Beginn im Ghetto! Bauern bringen Laubwerk und Reisig aus den Wäldern gefahren die wissen es gut. wenn sich die Inden freuen wollen! Das ist dann ein Handeln und Feilschen und Drängen um den Waldesschmuck! Besonders gefallen mir die Kinder! Die gehören auch ganz eigentlich dazu. Mit dem Laubwerk auf dem Kopf und unter dem Arm rennen die Knaben und Mädchen durch die Gasse! Die alten hohen Häuser mit den vielen Familien darin scheinen jung zu iverden und zu lachen. Nun werden die Laubhütten aufgeschlagen. Kinder bringen den lange vorher be» reiteten Schatz von vergoldeten Äpfeln, Nüssen und Papierschnitzeln und schmücken die Wände. Um diese Zeit haben die hcrmnwauderndcn Bildcrhändler den best« Markt. De Kleine» geben ihren letzten Groschen ans, um einige farbige Kl«He^ zu erhasche t. Nun wird das Laub gelegt, zwischen durch leuchten und funkcki Sterne ans Gold, lange papierne Ketten und farbige' Lämpchen. Dann kommt der fi Vater oder die Mutter und beschauen das Werk der Kinder, die stolze, funkelnde Pracht an Laubwerk und Wände». Zmveilen nimmt der Bater selbst noch ein« Stgfr und zimmert daran den Schluß. Das gefällt mir, Bater! Die Hand, die sonst die Elle oder das Hasenhäutchen schwingt, soll nicht verlernen, die Axt zu führen. Jetz: sind oie Hütten fertig! Du kannst einziehen, Geist des Festes! * * * Hat Moses mit den Laubhütten wirklich die vierzig Jahre in der Wüste -K verewigen wollen? Oder kannte er den Sinn seines Bolkes, das bei Ziegelbreime»% und Steinhauen selbst spröde und hart wie Stein geworden war, daß er diesen Sin« unter den grüne» Hallen der Laubhütten auffrischen wollte? Warum befahl er sonst den Ackerbau in so bestimmten Ausdrücke»? Den Ackerbau befehlen? AM-'