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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-07-01 · Heft 7 (1.7.1904) · p. Seite 159

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 7 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 159 (sequence 17)
Language
German
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159 darf es dein auch die Israeliten Badenmit hoher Genugtuung erfülle», daß W dem volkstümlichsten badischen Staatsmanne, der wie kein anderer einen tiefgreifeÄW^ nachhaltigen und segensreichen Einfluß auf die Entwicklung dieseschönen LaÄchD geübt hat, ihre Emanzipation verdanken. Auch der nachmalige HandelSminister^ von Dusch, der in den 1860 er Jahren die rechte Hand Lameys war und da- Emanzipationsgesetz vor den Ständen so kraftvoll vertreten hat, ist einer tutfee^ besten Staatsmänner gewesen Das Gleichstellungsgesetz war nur der letzte Schritt auf dem von Karl Friedrich eingeschlagene» Wege, wie unser geliebter GroMerDotz^ anläßlich se nes Regierungsjubiläums iy seiner bescheidenen Weise gesagt hat. wie viele Vorurteile und Widerstände waren aus dem Wege zu räumen, ehe e-4 gelang, die Israeliten zu ivahlberechtigten Gcincindebürgern zu machen und ihuens die freie Niederlassung an jedem Orte ihres Heimatslandes zu gewähren! nach wenig mehr als fünf Jahrzehnten, werden die Stadtväter von Baden, bürg, Freiourg, Konstanz nur noch ein Lächeln dafür haben, wie ihre Vorgängers von anno 1850 eifrig darüber wachten, daß ihre judenfreien Gemeinwesen etwa auf die Stufe von Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und dergleichen juden»^ belasteteten > Ortschaften herabsänken. Man kann auch nicht sagen, daß die Ge« ': meinden, in denen Israeliten den Gemeinderat und Bürgerausschuß wählen helfen^ oder gar selbst in die Gemeindekollegien eingetreten sind, dadurch dem nahegebracht worden wären. Und so wird man vielleicht nach weiteren 50 auch darüber lächeln, daß zu einer Zeit, in der in England und Nordamerika, Frankreich und Italien, ja sogar in Österreich, jüdische Generäle, Minister, Staat sekretäre, Gesandte ihres Amtes walteten, in unserem lieben Deutschland ein Jude^ tatsächlich nicht einmal die unterste Sprosse — ich betone speziell die unterste —| der Verwaltungszweige, geschweige denn der militärischen Stufenleiter erklimn konnte. Diese Tatsache ist an sich gewiß nicht so tragisch zu nehmen. Aber ist ein Symptom des sozialen Mißverhältnisses, das trotz der rechtlichen pation noch heute in unserem Vaterlande zwischen der christlichen Majorität der jüdischen Minorität besteht. Ich habe mich immer darüber gewundert, wie Mehrheit, die mit Recht an manchen von der früheren Reichskammerknechtschast den Juden anhaftenden gesellschaftlichen Mängeln Anstoß nahm, sich selbst besserndes Einflusses beraubte, indem sie sich gesellschaftlich von den Juden während die allmähliche Aufnahme der gebildeteren Elemente derselben sich albeste Erziehungsmittel erwiesen hätte. So aber konnten und können die ständigen Elemente stets darauf hiniveisen, daß. >vie das Beispiel ihrer in Weise zu beanstandenden Glaubensgenossen zeige, es sich gar nicht verloh«e,J der Majorität angenehmer zu machen. Daß so durch die Haltung der für die Minorität ein nicht zu unterschätzender Ansporn zur Selbsterzichung, gesellschaftlichen Selbstzucht verloren geht, das beklage ich im Interesse Bolksgesamtheit.

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