Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 141 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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WM — 141 — Lehrers Hill^l. Erkennt das Christentum die einfache Tatsache an, die jedem unbefangenen Lehrer des Neuen Testamentes offenkundig ist, daß Jesus ein klasfischer Jude in seinem Leben, Lieben und Leiden gewesen und daß Israel noch heute dem Ideale Jesu jb. h. der prophetischen Auffassung der Religion Israels nachlebt, dann ist der Boden zu einer Versöhnung der beiden großen Bekenntnisse gewonnen. Ist doch „Alles"! wie Kurt Breysig in seiner vergleichenden Entwicklungsgeschichte der führenden Völker Europas (Berlin 1901, I. 678) mit Nachdruck hervorhebt, „aber auch alles, was den Christenglauben heraushebt über die andere Religion jüdischen Ursprungs". — „Esther." Drama in sechs Bildern von Stanislaw KozlowSki. Autorisierte Verdeutschung von Albert Weiß, Halle a. S. Verlag von Otto Hendel (N. 178!) Bibliothek der Gesamtlitteratur des In- und Auslands). Der Held des Dramas ist der polnische König Kasimir I., ge», d. Große, (1333—1370) berauch durch seine l^oleranz gegen die Juden bekannt war. Er wandte seine Gunst einer schönen Jüdin Esther zu, von der er, einen Thronfolger, der ihm versagt war, erhoffte. Au^f Bitten derselben, die er mit königlichem Prunke umgab, will er de« Juden durch! Bestätigung der Satzung Herzog Boleslaws die Gleichberechtigung gewähren, weshalb er, um die Einwilligung hierzu zu erhalten, die Großen der Reiches zu einem feierlichen Rat beruft, die trotz seiner zuckend flammenden Rede mehr dem Ausrufe des höchsten Würdenträgers, des Kastellans, beistimmen: „Wer dir das rät, Herr, der verrät die Herrschaft". Im Verlaufe der Handlung aber ward dieser judenfeindliche Kastellan bei einem Hoffeste, wo dem König ein blendend schönes Edelfräulein zugeführt wird, von einem Höfling vergiftet, der sich dadurch die Gunst der von ihm rasend vergeblich geliebten Esther erringen will. Der Verdacht der Vergiftung des Kastellans fällt auf die Juden, die gemartert werden, und von ihnen ein Geständnis zu erpressen, bis der Mörder selbst dem König seine Untat gesteht und mit Gift sein Leben endigt. Dieses Drama über welches der Hauch schwermütiger Romantik gebreitet ist und dem geschickt äußerst wirkungsvolle Szenen eingefügt sind, wird man immer mit Interesse lesen und sich daraus ein Urteil über den Wert der polnischen Litteratur zu gestalten imstande sein. — Lazarus Goldschmidt: „Sprüche der Däter" Berlin 1904 S- Calvary & Co. Die Sprüche der Väter, dieses Schatzkästlein der jüdischen Ethik hat der, durch seine Übersetzung des babylonischen Talmud bekannte Verfasser als Sonderabdruck seines ganzen Werkes auf Grund einer textkritischeu Bearbeitung der ältesten Drucke, mit Übersetzung und Noten erscheinen lassen. Dieses ebenso elegante wie handlich ausgestattete Buch kann nur den weitesten Kreisen zur Lektüre empfohlen werden. Es ist bezeichnend, daß in der jüdischen Ethik nur vom Menschen und nicht vom Jude« die Rede ist, die eigentlich selbstverständliche Grundbedingung einer jeden Ethik, zu der sich noch Philosophen in unserer Zeit der ethischen Bewegung nicht erheben können. — Im Selbstverläge von Georg Kutlner (Berlin W, Steinmetzstr. 15) sind unter dem Titel „Alt-Israel" sechs Gedichte: Freitag Abend, Sabbath, Peffach,