Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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* wandten. In seinein diesbezüglichen Antwortschreiben an den Novellisten i. R. Rabinowitsch schrei!»t Tolstoi: Die furchtbare Freveltat von Kischinew, hat aufs schmerzlichste betroffen. Ich habe meiner Ansicht über diese schrecklichen ge teilweise schon in einem Briefe an einen mir bekannten Juden Worte ge- Dieser Tage sandten wir von Moskau aus an den Bürgermeister von inew ein Kollektivschviben, das die Gefühle zum Ausdruck brachte, die jene udlichen Greuel in uns hervorgerufen haben. Herzlich gern werde ich zu Ihrem melwerke einen Beitrag liefern, und ich will versuchen, etwas dem Anlaß Ent- >endes niederzuschreiben. Leider kann ich in einem Buche, das in Rußland zur iröffentlichung bestimmt ist, nicht mit voller Klarheit meine Ansicht darüber auschen, wer in Wirklichkeit nicht nur an den Kischinewer Greueln, sondern über» upt an dem zwieträchtigen Geiste die Schuld trägt, der in einem kleinen — nicht leh eigentlichen Bolkskreistn zugehörigen — Teile der russischen Bevölkerung sich eingenistet hat. fr Der Briefschreiber läßt keinen Zweifel darüber, wem er die Schuld an dem gegangenen Verbrechen beimißt. Es entwickelt sich zwischen ihm und dem Heraus- Wer des „Sbornik" ein lebhafter Briefwechsel, in dem Tolstoi mit wuchtigen Worten die Wahrheit über jene „maßgebenden" Kreise ausspricht, in denen die Urheber der Schändlichkeit, n von Kischinew und Homel zu suchen sind. Es würde zu weit führen, die von ehrlichem Zorn durchbebten Briefe des großen Russen un- HAürzt wiederzugeben. Nur einige Stellen allgemeineren Charakters seien aus Tolstois Briefen angeführt. „Was mein Verhältnis zu den Juden anlangt, so sollte es, glaube ich, Äsen denjenigen klar sein, die sich^'für meine Auffassung der menschlichen Dinge Meressieren. Mein Verhältnis zu den Juden kann kein anderes sein, als ein Ver- WtniS zu Brüdern, die ich nicht darum liebe, weil sie Juden sind, sondern weil mir und sie, wie überhaupt alle Menschen, Kinder eines Gottvaters sind, und diese Liebe heischt von mir keine besondere Anstrengung, da ich Juden gekannt habe, die sehr gute Menschen gewese „Mein Verhältnis zusammengesetzt: aus dem Wdrdenen Menge, aus eine! sich Christen nennen, aus Angelegenheit sind." sind.« zu dem Verbrechen von Kischinew ergibt sich von selbst a«S meiner religiösen Anschauung. Bevor ich noch über all die schrecklichen Einzelheiten unterrichtet war, von denen ich später erfuhr, begriff ich schon nach der ersten -Zeitungsnachricht die ganz e Furchtbarkeit dessen, was geschehen war; ich hatte ein schwer bedrückendes, qualvolles Gefühl, das sich aus mannigfachen Empfindungen Mitleid mit den schuldlosen Opfern der zur Bestie gestarren Verblüffung über diese vertierten Menschen, die Abscheu und Ekel gegen jene sogenannten Gebildeten, welche die Menge aufhetzen und mit ihren Untaten sympathisierten, und vor allem «ich dem Entsetzen vor jenen Gewalten, welche die wahren Schuldigen in dieser ütüiti LMMMM