Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Musikgeschichte zu dozieren. — Wie aus Odessa berichtet wird, hat Herr IglicKy, das Recht erhalten, ein mit Öffentlichkeitsrecht versehenes jüdisches Obergymnasium in Odessa zu eröffnen. Das Gymnasium wird anfangs Jänner 1904 eröffnet werden. — Ein russischer Schriftsteller Iwi Koshdai berichtet in seinem ruffischen Blatte über eine Unterredung, di« er mit dem Schriftsteller Warim Gorki hatte. Nach einigen einleitenden Worten über das Leben der Juden in den russischen Ansiedlungsgebieten sagte Maxim Gorki: „Ich kenne die Juden recht gut, da ich als einfacher Arbeiter tagweise bei jüdischen Kolonisten im Cheressonschen und Jekaterinoslawschen Gouvernement gearbeitet habe. Ich war bei ihnen oft „Schabbes-Goi", d. h. ich hatte die Lampen am Freitag abend auszulöschen, trug ihnen ihre Sachen am Sonnabend nach rc. Aufrichtig gesagt, werde ich nie jene schöne, natürliche Religiosität vergessen, die dieser Nation eigen ist und die mich besonders in ihrem lichten Familienleben entzückte. Auch jetzt noch verspüre ich bei der Erinnerung daran die gehobene Stimmung, die bei mir einzutreten pflegte, wenn ich ein Stück Weißbrot oder einen Kuchen Sonnabends für meinen Dienst erhielt. Jetzt haben sich aber, wie mir scheint, die Juden von dieser Einfachheit entfernt, man kann bei ihnen schon nicht mehr jene Poesie des Lebens finden, die mich mit Bewunderung erfüllte. Schade, daß diese Öriginalität des jüdischen Volkes in unserer zivilisierten Welt verschwindet. Ich habe mich schon längst entschlossen, die Juden in ihren Ansiedelungsgebieten aufzusuchen, weil ich dem jüdischen Volke meine Liebe bezeigen will, nicht als ein Mensch, der die Leiden des verfolgten und bedrückten Volkes mitfühlt und bedauert, sondern als einer, der dankbar ist für alles Gute und Wohltätige, das das jüdische Volk der zivilisierten Welt in der Zeit erwiesen hat, wo es von dieser zivilisierten Welt mit Foltern und Hetzereien verfolgt wurde. Mein größter Wunsch ist aber, die Juden als etwas von alters her Überkommenes zu betrachten, um die Überzeugung zu gewinnen, daß das Schicksal sie als Wahrzeichen für die Größe der Nation in dieser antiken Welt bewahrt hat. Übermitteln Sie in meinem Namen dem jüdischen Volke, daß ich in nächster Zeit das russische Publikum mit den guten Seiten des Judentums bekannt machen werde, da man über die schlechten Seiten zuviel geredet hat." — In Philadelphia starb, Rev. Dr. Marcus M. Iastrow im 73 Lebensjahre. Unter den amerikanischen Rabbinern, wie unter den jüdischen Gelehrten der ganzen Welt hatte er sich hohen Ansehens zu erfreuen. Geboren am 5 Juni 1829 in Rogasen, besuchte er das Gymnasium in Posen, die Universität in Berlin, woselbst er als Lebrer an der Religionsschule tätig war. Die talmudischen Studien legte er bei Rabbiner Moses Feilchenfeld in Rogasen und Dr. W. Landau in Dresden zurück. Seine erste Stellung war als Prediger am Tempel zu Warschau. Dort wurde er bald in die Wirbel des polnischen Aufstandes hineingezogen und verhaftet. Nach seiner Entlassung auS dem Gefängnis verließ er Warschau und ging als Rabbiner nach Worms. 1864 kam er als Rabbiner an die Uväspb 8ba.l«w-Gemeinde nach Philadelphia, wo er fast