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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-01-01 · Heft 1 (1.1.1904) · p. Seite 2

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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2 — gerissen haben. Vom Gedanken des echten Christentums ausgehend und auf ihm stehend, unternimmt es der Verfasser, sein Sinnen und Empfinden über die Judenfrage offen niederzuschreiben und unterscheidet sich dadurch von seinen adeligen Genossen, die sonst vornehm auf das bunte Getriebe bürgerlicheu Lebens blicken, ohne einzugreifen, so lange ihre eigenen Interessen dabei nicht auf dem Spiele stehen. Obzwar der Verfasser keinen Gefallen an dem Freisinn der Neuzeit hat, der den Antisemitismus bekämpft, ist er aber wiederum auf der anderen Seite auch kein williger Kriegsknecht, der den Feudalherren auf ihren judenhetzerischen Kreuzzügen Heeresfolge leistet. Was er in dieser Schrift zu Ausdruck bringt, ist seine innerste Überzeugung und er läßt sich durch den Vorwurf der Halbheit, den man gewöhnlich gerne heute gegen jede maßvolle Gesinnung erhebt, nicht irre machen. Der Verfasser ist der Meinung, daß allen Menschen durch die Gesellschaftsordnung das gleiche Recht eingeräumt und gewährleistet werden müsse und so kann auch jeder deutsche Mann „nach seiner Fagon" selig werden und hat ohne Rücksicht auf sein Glaubensbekenntnis, auf seine ursprünglich? Herkunft und Abstammung, das unbedingte Anrecht auf die Anerkennung, die er tatsächlich verdient. Die Judengegner sind anderer Ansicht, sie nennen „die gesamte Rasse der Inden" „gemeingefährlich" und ihr Streben geht dahin, denselben alle gesetzmäßig erworbenen Rechte zu entziehen. Der Verfasser meint, daß Her Jude sich trotz freiiidländischer Herkunft in Deutschland eingelebt und eingebürgert habe. Er sei, wenn er auch seine „Rasse" nach so rein hielte und dem Glauben seiner Väter anhänge, doch mit den Anschauungen und Gewohnheiten des germanischen Bürgertums im Übrigen allmählich verwachsen und so in erster Reihe deutscher Staatsbürger. Es ist ausgeschlossen, anzunehmen, daß man heute noch de» Juden wegen seiner Religion aus christlichem Glaubenseifer hasse. In unserer Zeit geben katholische und evangelische Dunkelinänner, die auf solchem Standpunkte zu stehen vorgeben, nicht mehr den Ton an, wie ehedem und sie bilde» auch nicht mehr die treibende Kraft in der judenfeindlichen Bewegung, welche ihrem innersten Wesen nach, unchristlicher Natur ist, indem sie geradezu der Hauptlehre des Christentums widerspricht, das Duldsamkeit predigt und allgemeine Menschenliebe. Die judenfeindliche Bewegung kennzeichnet sich von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, als ein Unfug, ja sogar als ein Frevel gegen den Glauben. Allerdings, so führt der Verfasser, der einen Rückblick auf die Geschichte der Juden wirft, aus, vermochte das Gesetz noch immer nicht, die bürgerliche, .'gesellschaftliche Gleichheit zu bringen. Bewundernswert erscheint ihm zwar die Standhaftigkeit der Juden und deren Glaubenstreue und ein Wunder ist es, daß es noch Menschen gibt, die den Mannesmut bezeugen, sich Juden zu nennen und als Juden zu bekennen, angesichts all der Leiden, die mit der Bezeichnung „Jude" und mit diesem Bekenntnis unlösbar verbunden sind. An den Fehlern, die den Juden anhaften, tragen die Völker schuld

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