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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-11-01 · Heft 11 (1.11.1903) · p. Seite 262

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 11 (1.11.1903)
Date
1903-11-01
Page
Seite 262 (sequence 24)
Language
German
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Gouvernement — so erzählt man sich in Rußland — hat sich folgende Episode zugetragen. Großfürst Sergius ließ sich in seinem Winterpalais und Wintergarten das elektrische Licht einführen. Zu dieser Arbeit war der renommierteste Elektrotechniker dieser Gegend berufen. Als die Probebeleuchtung stattfand, bei der der Großfürst zugegen wa^, ließ er den Elektrotechniker zu sich kommen Nachdem ihm dieser über jedes einzelne Objekt genaue Aufklärung gegeben hatte, klopfte ihm der Großfürst auf die Schulter und sagte: „Sie haben ihre Sache gutgemacht, Meister Jsackoff. Ich ernenne Sie zu meinem Hoflieferanten, denn ich bin sehr zufrieden." Hieraus schüttelte er ihm freundschaftlich die Hand. „Ich bin überglücklich, die hohe Anerkennung Euer kai^rl. Hoheit erworben zu haben," erwiderte Jsackoff, „und ich werde stets bemüht sein, mich der hohen Auszeichnung, den Hoflieferantentitel führen zu dürfen, würdig zu. erweisen. Nur gestatten mir, kais. Hoheit, eine untertänigste Bitte zu Füßen legen! zu dürfen." — „Was wäre das?" frug der Großfürst neugierig. — „Ich bittejinn Gnade, kais. Hoheit," sagte Jsackofi und warf sich in die Knie. „Warum? Was ist denn vorgefallen? Erzählen Sie mir, aber fassen Sie sich kurz." „Ich habe den Ausweisungsbefehl bekommen, kais. Hoheit." „Sie, den Ausweisungsbefehl? Wie ist denn das möglich? Was haben Sie denn verbrochen?" — „Verbrochen? Kms. Hoheit, gar nichts. Aber weil ich Jude bin, soll ich das Land verlassen müssest." - „Sie sind Jude? Warum Hab' ich das nicht früher gewußt?" Der Großfürst trat einige Schritte zurück, um an den Juden nicht zu nahe zu stehen, ließ sich Wasser bringen und wusch sich die Hand, die er dem berühmten Elektrotechniker reichte, als ob er sie mit Ölfarbe beschmutzt gehabt hätte, dann fuhr er fort mit seinen Fragen. „Wer hat Sie zu dieser Arbeit bestimmt?" — „Der Haushofmeister Euer kais. Hoheit, Exzellenz von X.", entgegnete Jsackoff. „Dieser Mann muß mir sofort aus dem Hause," rief der Großfürst im befehlenden Tone. ^,Er muß zur Verantwortung gezogen werden." — „Wann müssen Sie denn schon fort?" — „Innerhalb acht Tagen, kais. Hoheit." Wie lange brauchen Sie, um Ihre Arbeit zu vollenden?" — „Mindestens 14 Tage." — „Dann schicken Sie Ihre Familie zuerst ins Ausland und Sie folgen, sobald Sie bei mir fertig sind " — „In Anbetracht der hohen Zufriedenheit Euer kais. Hoheit hatte ich auf den Allerhöchsten Schutz gerechnet, umsomehr, da ich unbescholten bin, meiner Militärpflicht in Rußland Genüge geleistet habe, die Steuern pünktlich bezahlte und mich in günz Moskau des besten Leumundes erfreue." — Der Großfürst machte eine abwehrende Handbewegung. Nochmals versuchte Jsackoff knieend, den Großfürsten zu erweichen und um Gnade zu bitten. — „Erlauben Sie mir?" fiel der Großfürst ein. „Wollen Sie noch mehr Gnade? Genug an dem, wenn ich Ihnen erlaube, einige Tage sich langer in Rußland aufhalten zu dürfen, als Ihre Familie." — Herr U. Sokolow, Redakteur der Hazefirali in Warschau kündigt die Herausgabe einer allgemeinen Eneyklopädie der Wissenschaften mit besonderer Berücksichtigung der Wissenschaft dts Judentums in hebräischer Sprache an. Das großangelegte

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