Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- Seite 195 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ISS — -,Jg länder beginnen sich zu wehren, obwohl, nein, weil die Judennot im Osten Europas J steigt. Und doch sind es Länder, an deren hohen Gesittung zu zweifeln, einfach, 3 töricht wäre. Diese Staaten glauben ihrer sonstigen Humanität — ich sage er .4 nicht ironisch — Einhalt gebieten und die Judenfrage, die für sie die Frage der Jj jüdischen Einwanderung ist, politisch behandeln zu müssen- Nur bei uns Jude» J sträuben sich noch manche ängstlich, darin ein Politikum zu sehen. Diese Angst f aber wird uns mehr Mitleid als Zorn einflöße», wenn wir sie recht verstehen. Er . | ist eine Platzfurcht, die noch aus der engen Judengassr stammt. Z Indessen entwickeln sich die Dinge unaufhaltsam. In England, dem letzten . bisher noch ganz offenen Zufluchtsorte, wurde eine königliche Kommission zur Un» ' tersuchung der Fremdeneinwanderung eingesetzt, der Fremden, um nicht zu sagen - der Juden. Die Konklusionen des Berichtes lassen aber einen Zweifel zu, über > wessen Einwanderung die Kommission sich zu äußern hatte. Man sieht ordentlich, | wie das freie großmütige England mit sich kämpft, wie schwer es sich eine hark ^jj Maßregel gegen arme Menschen abringt, wie es eine eigene langwierige Untev« i suchung einleitet, bevor es zu Endgiltigem sich entschließt. Es gibt nämlich alte \ Prinzipien, glorreich wie Fahnen, die nicht ganz unbeschädigt bleiben, wenn Eng» land unschuldig Unglücklichen nicht mehr das freie Asyl gewährt. Und genau dasselbe gilt von Amerika, das groß geworden ist, weil es ein Asyl war. Bon den Regierungen, der an der Judenwanderung beteiligten Länder wird _ unser Werk täglich besser verstanden. Unsere Lösung, die dem jüdischen Volke rn 4 einer Heimstätte verhelfen will, entspricht so sehr einem allgemeinen Bedürfnisse, daß sie endlich gelingen muß. Eine leichte Arbeit ist es freilich nicht. Es gibt Schwierigkeiten, die außerordentlich viel Geduld und Treue erfordern. Aber schon i dies ist ein Stück der Erziehung, die ivir unterwegs bekommen. Es gibt schwere j Tage, ajt denen man mühselig Errungenes zerfließen sieht, und viel versprechende Anfänge, die dann in sich zusammenbrechen. Sv lange eine Bewegung jung und j schwach ist, müsse» die Führenden befürchten, daß solche Rückschläge die Anhänger '% demoralisieren könnten, und zur eigenen Enttäuschung und Ermüdung tritt noch die Sorge um die Fortführung der Arbeit, um die Beschaffung der Mittel, um die; Ausdauer der Genossen. Doch auch das ist zum Guten- Es verlieren sich die, an denen man nichts verliert. Sie ziehen ab, die einen mit ihrer gekränkten Eitelkeit, \ die zweiten, weil sie bei der Sache ihre Rechnung nicht fanden, die dritten, weil sie nur gern an Erfolgen teilnehmen und so noch andere aus mancherlei anderen Gründen. Die aber bleiben, denen wird die Sache durch jedes Opfer nur noch teurer, mit denen kann man den Weg fortsetzen, und ihnen kann man auch alles sagen. So war es in unserer Absicht, als wir diesen Kongreß einberiefen, und H wir glaubten, daß wir nichts anderes würden zu melden haben, als das Scheitern . ' von Verhandlungen und das Mißlingen lang vorbereiteter Versuche. Jndeffen kam 4 eS einigermaßen anders. - 'J