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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1903) · p. Seite 161

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 161 (sequence 19)
Language
German
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dümmste aller Zeit nennt, stehen die Judenverfolgungen im Zeichen des Blutwahns. welcher auch heute noch nicht überwunden ist. Ein Leichenstein spricht hierüber J eine deutliche Sprache in seiner Inschrift: „Dies ist das Grab des Rabbiners R. Meir, Sohn Abrahams Hakohen, des Alten, der erschlagen wurde, weil «c | die Einheit seines Gottes unverbrüchlich bekannte, 27 Siwan 5041 der jüdischen (1281 der christl.) Zeitrechnung, an dem Tage, an welchem die Synagoge ver- J brannt und die Gesetzrollen zerissen wurden. Seine Ruhestätte in Ehren" (aufgefunden 5. Juni 1899 bei Ausschaltung eines Keller auf der Großen Bleiche). Im April 1283 wurden die Juden in Mainz beschuldigt, ein christliches Kind, welches als Leiche aufgefunden wurde, ermordet zu haben. Am 19. April wurden - 10 Juden infolgedessen ermordet und beraubt. Damals wandelten viele Juden J aus Mainz, Worms, Speyer, Frankfurt und der Wetterau nach Palästina auS; unter ihnen befand sich auch der gefeierte Mainzer Rabbiner R. Meir aus Rochen- |j bürg mit Frau und Kind. In der Lombardei erkannt und verhaftet, hielt ihni der Erzbischof Heinrich von Mainz in der Wasserburg gefangen bis ihn der Kaiser | in Ensisheim i. E. internieren ließ. Er starb im Exil 1293 und ward 14 Jahre i nach seinem Tode durch die Bemühungen des Frankfurter Kaufmannes Alexander Wimpfen, der neben ihm die letzte Ruhestätte zu .finden wiuMte, in Worms begraben. Viel hatten die Juden in der Schreckenszeit des f^^rzen Todes za leiden. Als die goldene Bulle 1356 den Kurfürsten das Recht Juden aufzu- J nehmen gab, bevölkerten sich die alten Gemeinden aufs neue und wurde ihre Ruhe durch zeitweilige Verfolgungen und Brandschatzungen unterbrochen. Vor 1473 Z mußten die Juden Mainz verlassen und ihre Synagoge, an der QuintinspfHfe gelegen, ward in die Allerheiligenkapelle umgewandelt. Was das soziale Leven anlangt, so ward Geistlichen und Laien der Umgackh mit Juden untersagt» sie f sollten mit ihnen nicht zusammen sprechen und wohnen, sie nicht grüßen und? küssen und sich mit ihnen nicht verschwägern. Es kam jedoch trotzdem häufig vor. daß der Hof und das Volk zuweilen die Synagogen aufsuchten um dort Predigten /s anzuhören, von denen der judenfeindliche Bischof Abogard mit Schmerz bekennen J mußte: „daß sie besser und erbaulicher seien, als die der christlichen Priester". * Die Juden waren vom 13. Jahrhundert ab Kammerknechte und als solche ergibige j Steuerobjekte. Mainz hatte sein eigenes Judenrecht und ist noch hervorzuheben, ■« daß die alte Fassung des verletzenden „Judeneides" in deutscher Sprache aus -s Mainz stammt, und zwar von Erzbischof Könrad (1160—1200). Was das innere Leben der Juden in Mainz anlangt, so fanden in Mainz Rabbinersynoden statt. | Diese Synoden machten es sich zur Aufgabe, Anschuldigungen vorzubeugen, so j z. B. durch das Verbot des Ankaufs und Verleihens von christlichen Kunstgegen- J ständen und die Sittlichkeit zu heben. Die erste Synode tagte in Mainz 1150. Der | Beschluß einer früheren Synode in Troycs, wonach die drei genannten Gemeinden 4

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