Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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146 (Jesaias 63). Dieser ivutschnanbende Hymnus an den rachsüchtigen Jehovah, ist er nicht die beste Charakteristik des herzlosen Judentums? Wie mild und süß ist dagegen der Gott Deatzsch's, der „kein schwankes Schilfrohr knickt und einen glimmenden Docht nicht ansmacht"! Wollten wir aber aus dem Umstande, daß die Anhänger dieses sanften Gottes, gerade in seine n Namen,-Tausenden von Menschen das Genick gebrochen und aus dem „glimmenden Dochte" für ihre Nächsten, die sie so grenzenlos liebten, Scheiterhaufen angesteckt haben, den Schluß ziehen, daß höchstwahrscheinlich mit dem „Steinigen" und den „Dornen" in der Parabel vom Säemann die steinharte, schneidige arische Rass: gemeint ist, dann würde uns Chamberlain belehren, daß in Bezug auf RassenprobTme ihm allein das letzte Wort zukommt und Harnack würde salbungsvoll die unendliche Überlegenheit der „reinen und kraftvollen" evangelischen Ethik über die jüdische dartnn und zu diesem Thema so schön, so hinreißend reden — und reden und reden, daß wir darüber jene Kleinigkeiten der schaudererregenden Hekatomben, welche diese Ethik der Menschheit auferlegt hat, billig vergessen können. Wenn man kein Delitzsch ist, muß man sich überhaupt hüten, aus einer „vereinzelten" Tatsacht .auf den Charakter einer ganzen Religion oder Rasse schließen zu wollen. Das dürfen nur große Männer, denen jener schon erwähnte feine Diagnostikerblick eigen, ist. Darum fällt es uns auch nichtein, aus den zahlreichen Beweisen der „ihren Ursprung ans dem Evangelium nicht verleugnenden, tatkräftigen Bruderliebe und der Zartheit der sittlichen Empfindung," *) wie sie die russischen Bauern jüngst in KUchinew bewiesen haben, Rückschlüsse auf die Kraft und die Reinheit der christlichen Lehre zu ziehen, wie dies Delitzsch für das Judentum aus den oben angeführten Was wir hier wollen. Geschichte gegenüberst^ tungen hierzu mag de gruseligen Bersen des Jesaias so mir nichts dir nichts tut. ist nur, dem christlichen Kischinew ein altheidnisches aus der ^llen, als historische Reminiscenz. Die philosophischen Betrach- Leser selbständig anstellen. Wir haben keine Veranlassung, das Christentum verkleinern zu wollen und selbst Delitzsch gediegene -Kritik des Judentumes reizte nicht dazu, ihm seine Freude an seinem Gotte zu verderben. Habeat sibi! Es war unter der Regierung des großen Kaisers des damals noch sehr unheiligen römischen Reichs Casus, besser bekannt unter dem Beinamen Caligula, jenes unmenschlichen Heiden, dessen Grausamkeiten und Abscheulichkeiten noch heute in der Geschichtsstundc den christlichen Kindern als abschreckendes Beispiel sittenloser Zustände aus vorchristlicher Zeit, als noch der Satan auf der Welt herrschte, vorgeführt werden. Wie konnte es zu jener Zeit auch anders hergehen! Waren doch sämtliche Bewohner der Erde der Gnade noch nicht teilhaftig geworden, von *) Worte Harnacks Bekenntnisses. im „Wesen des Christentums" bei Besprechung des griechisch-katholischen