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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-06-01 · Heft 6 (1.6.1903) · p. Seite 122

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 6 (1.6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 122 (sequence 5)
Language
German
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122 nau der schmerzgebrochenen Frau alle Verfügungen diktierte, die nach seinem Ableben getroffen werden sollen. Dann folgte eine kurze Abspannung, aus der er noch erivachte, um langsam estle Tasse Kaffee zu schlürfen; das müde Haupt sank auf die Brust — ein lautes hohles Rasseln und das Leben des edlen Mannes, des großen Forschers, des gefeierten Gelehrten, des Juden, vor dem der frechste Antisemitismus ' ehrfurchtsvoll Halt machte, war erloschen. Raschen Schrittes verbreitete sich die Trauerkunde durch Meran. Die meisten kannten ihn, die Wenigsten haben ihn gesehen. Man wußte, daß drüben in der stillen Villa Ruth, entrückt dem Geräusche, dem Straßenverkehr und dem Straßenstaube, im Schatten d^r ewig grünen Edeltannen sich das Leben eines bedeutenden Mannes abspinne, der nur höchst selten, im Rollstuhl von seiner treuen Gattin geführt, einen Blick in d^s laute Getriebe des Kurortes werfe. Und wer ihn sah in diesem Handgefährte, o!hne ihn zu kennen, mit dem wallenden Silberhaar und Bart, dem durchgeistigten Gesichte, dem milden Auge und dem freundlichen Lächeln, mußte unwillkürlich zum Huw greifen, um die unverkennbare Majestät des Genies zu grüßen, die da leuchtet^! Wir müssen eisten weiten Weg in die Vergangenheit machen, um Moritz Lazarus (geb. 15. Sesitember 1824) in seinem Vaterhause im ostpreußischen Städt chen Filehne zu sehen. Gegenwärtig haben wir wahrlich keinen Grund, über unsere sozialen Verhältnisse Hymnen anzustimmen, damals aber ging der Jude mit gebundener Marschroute pürch das Leben — Kaufmann, nichts als Kaufmann! Trotz der großen Anlagen Und der Neigung des jungen Menschen zu ernsten Studien, wurde er von seinen: Vater doch verhalten in ein Handelshaus zur Lehre und Praxis zu treten. Er Kornfeld in Brody be traf es aber glücklich. Der Kolonialwarenhändler Neuman saß zu jener Zeit eine Filiale in Posen, dem sein ältester Sohn Samuel Kornfeld Vorstand. In dies Geschäft kam Moritz Lazarus,. Sein Chef war ein guter Talmudist und fromm, er brachte einen Teil der Nächte beim Studium der Gemara und ihrer Kommentare zu. Zu diesen Studien zog er den jungen Mann, der von: Hause aus begabt und gut vorbereitet war, heran, ohne zu bedenken, daß derselbe Folianten, der Arbeit und vom Arzt gewarrst, diese destruktive Lebensweise fortzusetzen faßte Lazarus den Entschluß, die Stelle, zu verlassen und sich stürmte der wackere Disziplinen ehestens Jüngling, der da einesi harten Kamp oft ohne Essen, ohne den ganzen Tag im Geschäfte, die halbe Nacht vor den erliegen müsse Nahe daran, das Augenlicht zu verlieren )ie er inne hatte, aufzugeben, den ihm lieb gewordenen Chef den wissenschaftlichen Studien zn widmen. Er ging nach Braunschweig. Hier Marschierte er im Doppelschritt, zwei Jahrgänge in Einem Jahre zurücklegend. 2ßie ein tapferer Soldat, dem es gilt, eine Fahne zu erobern, Gymnasiast auf das Zeugnis der Reife, um in die höheren mntreten zu können. Es war eine jämmerliche Zeit für den Licht und egen die Notwendigkeiten des Lebens kämpfte, z blieb und mit dem kargen Ertrage seiner

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