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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-05-01 · Heft 5 (1.5.1903) · p. Seite 120

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 5 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 120 (sequence 26)
Language
German
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120 jüdischen Stils war die Stiftshütte, das Manschema des künftigen Tempels Jehovas, das einen Mobilen Charakter hatte; sie wurde später, nach Befestigung der israelitischen Staatsmacht, durch eine dauernde monumentale Gestaltung auf Moria ersetzt. In dieser baulichen Entwicklung ist aber auch die Geschichte der israelitischen Machtentfaltung enthalten, wie das Drama der Vernichtung durch die Zerstörung des Tempels. Wie der mosaische Kult, so hatte auch die israelitische Kunst ihre höchste monumentale Ausprägung im Tempel Salomons gefunden. Das technische Vermögen, der ästhetische Sinn und das künstlerische Können des Volkes, das sich sonst im Großen und Ganzen an fremde Meister lehnte, fand besonders charakteristischen Ausdruck in der Fertigkeit des Weberis, Stickens und der Goldschmiedearbeit, die einen dauernden Faktor der nationalen Kunst ausmachten. Der zweite Tempel, erbaut zur Zü.t, als Judäa unter persischer Herrschaft stand, wurde nicht unmittelbar auf dem alten Fundament aufgefübrt und hatte auch eine andere bauliche .Disposition, als der erste und einen mehr quadratisch zentralen Umriß. Der, Umbau dieses zweiten Tempels unter Heropes ist mehr als ein asiatisch-hellenisches Werk anzusehen, das sich den rituellen Forderungen des jüdischen Kultus anfügte, da die Darstellung alles Plastischen vermieden wurde und im Innern des Heiligtums der orientalisch-jüdische Kunstcharakstr zur Geltung gelangte. Der zweite Tempel war sonach trotz seiner Verbindung mit ausländischen ^tilelementen als ein speziell jüdisches Kunstwerk kenntlich durch bjie dekorative Ausstattung, die in Form und Farbe ein besonderes Gepräge an sich ftug und durch den Goldplatenbeleg der Fassaden und Innenwände, die aufs reichst^ mit ornamentalen Mustern und vegetabilischen Motiven gegiert war. Was nun jbie beiden eigenartigen Säulen „Jakin" und „Boas" anlangt, so verdanken sie ihre Entstehung keinem religiösen Gedanken, sondern sind lediglich als Nachbildungen vop Obeliskenmotiven anzusehen. Besonders charakteristisch uni» eigenartig waren dii im Tempel vorhandenen Gebilde der Weberei, der Stickerei uyd der Juwelierarbeit, welche Kleinkünste den Charakter des echt Jüdischen an sich trugen. Und so bildeten denn bei der Vereinigung der getrennten Stilelemente, Typen der Kleinkünste national eigenartigen die aus dem Kunstg^'iste des jüdischen Volkes erwachsenen den ästhetischen Kompromiß, welche der Bauart einen ebenso wie rhythmisch einheitlichen Charakter verliehen. Auf den Tafeln, die der Verfasser, seiner von tiefem künstlerischem Verständnisse zeugenden Schrift beigegeben, befindet sich auch ein Bild der Stiftshütte und des Tempels. Inhalt: Rede zur Erisr Intellektuelle des Ausschüsse! Ethische Charal teilungen. ...nerung an Gabriel Rteiser. — Vom „auserwählten Volke". — V ervollkommnung und moralische Erkenntnis. — Protokoll der 2. Sitzung i der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. — i üerbiider aus dem Talmud. — Monatsschau. — Referate und Mit- Verantwortlicher Redakteur und Druck von H. L. Brönners Druckerei (F. W. Brei Herhr Ausgeber vr. Adolf Brüll; idenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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