Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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119 auf alles Wichtige hinweisenden Lehrbuches kann man sich leicht in den Stand setzen ein großes abseits liegendes Geistesfeld sorgfältig zu Pflegen und im Interesse der allgemeinen Geschichts- und Sprachwissenschaft zu verwerten. Der am Ende angefügte Brief des samaritanischen Hohepriesters wird als wertvolle Beilage von den Lernenden freudig begrüßt werden. Studien zur Geschichte der Juden in der Schweiz während des Mittelalters von Augusta Steinberg Dr. phil. VIII und 15° §. Zürich, Schultheiß & Co. Man war bis jetzt auf die Arbeit des Züricher Pfarrers Ullrich aus dem achtzehnten Jahrhundert angewiesen, wenn man sich über die Zustände der Juden in der Schweiz während des Mittelalters belehren-wollte, welche Schrift selbstverständlich den Anforderungen der modernen Wissenschaft nicht mehr entspricht. Vorliegende Schrift stützt sich zumeist auf archivalische Studien, und hat die Verfasserin aus den entlegensten, zersprengten Notizen ein anschauliches Bild entworfen, das eine schöne Ergänzung zu der jüngst von Dr. Ernst Heller erschienenen Arbeit.- „Die rechtliche Stellung der Juden im Kanton Aargau" bildet. Im zwölften Jahrkundert waren schon Inden in Genf und im dreizehnten in Basel, Bern, St. Gallen. Luzern, Schaffhausen und Solothurn. Interessant ist der Bericht über den Prozeß, der im August 1404 in Genf gegen den Juden Samson von Jerusalem geführt wurde, der ein öffentliches Mädchen Greda (Marguerite) Deboulaz an einem Samstag besucht hatte, ohne sich als Juden erkennen gegeben zu haben. Neu sind d.ie Mitteilungen über den ärztlichen Berns, dem die Juden in der Schweiz mit großem Erfolg oblagen. Sie führen den Titel „Meister" oder „Artzet" und waren zumeist von den städtischen Magistraten mit einer festen Besoldung angestellt. In Freiburg reiht sich von der Mitte des vierzehnten bis zum Ausgange des sechzehnten Jahrhunderts ein jüdischer Arzt an den anderen 1356—1370 war Jocet daselbst Stadtarzt, 1464 wirkte Binan de la Tor -(Bibramis de Turse) als Arzt, der vom Tragen des Judenabzeichens befreit war. Einem jüdischen Arzt Versa, der sich gegen das strenge Verbot, Kranke nach verabreichtem Sterbesakramente noch zu behandeln, verging, wurde in Winterthur deshalb das Bürgerrecht entzogen. Noch manche lehrreiche Ausführungen über die verschiedenen Arten von Gelderpressungen in Form von Steuern bilden den Schluß des interessanten Buches. Die Daugeschichte des jüdischen Heiligtums und der Tempel Salomons von Dr. Jakob Drestel. Mit 7 Tafeln auf zwei Blätter. VIII und 56 S. C Straßburg, I. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel). Ter Verfasser hebt in einer Schlnßbemerknng selbst hervor, daß er keine streng wissenschaftliche Arbeit, sondern nur eine faßliche Lektüre über seinen Stoff für den weiteren Kreis von Gebildeten bieten wollte, was bei der Beurteilung zu beachten ist. Trotzdem aber, daß dasselbe Thema von Fachmännern schon vielfach behandelt wurde, ist Prestels Schrift sehr beachtenswert, besonders durch die sachgemäße Charakterisierung der altisraelitischen Kunst. Das erste' sakrale Kunstwerk