Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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99 die etwa vor 70 Jahrenl) erschien, von den Fürsten und Völkern Recht und Freiheit. Die Frage der Glaubensfreiheit — ruft er daselbst ans — ist nicht mehr eine Frage des Glaubens, sondern eine Frage des Rechtes und der Ehre. Ihr zerstört das Lebensglück Tausender, weil sie ibren Glauben nicht aufgeben, weil sie „den geforderten Eingangszoll der Lüge" nicht entrichten wollen. Ihr leget — so ruft er Fürsten und Völkern zu - den höchsten Wert auf die Treue, und setzet doch einen Preis auf die Treulosigkeit; denn gerade die Treulosen belohnet ihr mit Ämtern, Ehren und W ü r d zw.2) „Das Vaterland kann und darf und mag von uns Alles fordern, was es von seinen Bürgern zu fordern berechtigt ist - w i l l i g w e r d e n w i r i h m alles opfern — nnr Glauben und Treue. Wahrheit und Ehre nicht." Wir wollen keine Vorrechte, keine Einzelrechte, wir wollen nur das Recht, wir wollen keine andere Abgabe erlassen haben als die der religiösen Lüge. Denen gegenüber, die seine Sprache zu scharf und schroff studen. sollten, bemerkt er : Zurückhaltung und Bescheidenheit ziemt sich im geselligen Leben, und da, wo es sich um unsere Person handelt, aber Kühnheit und Mut, wo es das Recht, wo es die gemeinsame Sache unserer Glaubensbrüder betrifft. So bewahrte sich an Gabriel Riessee das Wort: ,.ube ruacli sefosov jomis roscho“ „durch den Hauch seiner Lippen, durch beit Geist seiner Worte machte er verstummen jene Bösewichter", die nicht wußten, daß auch bei Juden Selbstbewußtsein und Selbstachtung zu studen sei. .,\Yehojo zedek esaur mosnov wehoemuiu» esaur elialozow“ Recht und Treue bildeten den Gurt seiner Lenden. Sein ganzes Leben war ein Kampf ums Recht, sein ganzes Leben war erfüllt von Treue zum Judentume, von Treue zum Vaterlande. Ebenso mutig wie in der erwähnten Schrift trat Gabriel Riester um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in den gesetzgebenden Versammlungen für das Recht seiner jüdischen Glaubensbrüder ein. „Ich spreche hier — so lauteten seine Worte im deutschen Parlamente — im Namen einer seit Jahrtausenden unterdrückten Klasse, der ich angehöre durch die Geburt und der ich ferner — ganz abgesehen von der religiösen Überzeugung — an gehören werde durch das Prinzip der Ehre, das es mich hat verschmähen lassen, durch einen Religio tt s w e ch s e l schnöde versagte Rechte z u erwerben. Im Namen dieser unterdrückten Volksklasse gegen gehässige Schmähungen das Wort zu ergreifen, halte ich für meine Pflicht." ') Über die Stellung der Bekenner des mosaischen (Glaubens in Deutschland 1831. 4 -) Der Wortlaut wurde nur, soweit es der Predigtstil erforderte, geändert. Bgl G. Messers ges. Schrift, eä. M. Jsler, Band II., Ss. 9, 32 f., S. 25.