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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-03-01 · Heft 3 (1.3.1903) · p. Seite 71

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 3 (1.3.1903)
Date
1903-03-01
Page
Seite 71 (sequence 25)
Language
German
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71 schönes Dokument des jungen Ringens und Werdens. Es ist dos Charakteristische und Eigenartige, daß hier ganz verschiedene Menschen, Menschen ans verschiedenen Ländern und Welten zu Worte kommen, viele von denen, die mit der ganzen Ent' schiedenheit ihres Wesens dieser jüdischen Geistesrichtung angehören wollen, aber auch manche, die, obwohl dem nationalen Willen ferne, ans dem Judentume Farbe unb Leben und Keime schöpfen. Da sind zunächst die westlichen Juden — von Hause ans unendlich differenziert unter einander und in sich selbst, verstoßen von dem Fremden — dem Fremden in ihnen selbst, aber auch fremd dem heutigen Judentum, treu verschwommenen Formen ihrer Ideale — da suchten sie den Weg in die Tiefe und auf! dem Wege fanden sie ihr Volk. Der alte quälende Judenschmerz — der Schmerz wegen ihres Judentums — löst sich, indem er sich weitet und vertieft und Schmerz des Judentums wird. So suchen sie, wenn auch aus der Ferne, das Wesen der jüdischen Volksseele zu erfassen- Der Klang ihrer Verse ist zumeist ein getragenes Moll, zuweilen durchsetzt von den Dissonartzen unserer Modernen, die die starken und nach Auflösung drängenden Dissonanzen des wahren Judenschmerzes vorbereiten. Oder sie steigen in die Dunkelgänge der Geschichte'und in die unterirdischen Schächte des Menschen, in denen vergrabene Energien sich von rostigen Fesseln losringen, neue Beziehungen zum Leben erwachen. Es ist ein bewußtes Vergessen, ein traumhaftes Ahnen, ein siegendes Wollen, das sich in Barbers „jungen Harfen" zum stolzen Königslied aufschwingt. Der Träumer fühlt sich wie in Zangwills „Vor dem Löwenkäfig" als gefesselten Löwen, und der Schmerz selbst erzeugt, wie Feiwel in seinem ^Gedicht „Die Ersten" sagt, seine Sehnsucht und Befreiung. In herbem Kampfe wie in Luttwoks „Astarte und Jehovah" ringt sich die jüdische Seele aus ihren Entartungen empor und sucht sich selbst, wie in Bubers mystischen Gedichten, in der Klarheit ihrer Offenbarungen. Oder silbern schimmernde Träume erfüllen sich mit dem Dufte einer alten und jungen Innigkeit, und das hohe Lied will in ihren Versen erwachen in seiner ewig jungen Kraft und Zärtlichkeit, wie bei Fleischer und Friedländer. Alles Werden und Sehnen wächst mit dem Erwachen des jüdischen Volkes. Und all dies hat die „Liebe und das Leiden" gebracht, sie ist wie in Herzls „Altneuland", dessen stimmungsvoller Schluß im Almanach abgedruckt ist, die Mutter von der das Leben kommt. Von Lyrikern sind noch vertreten Georg Hirschfeld mit seinem „Jeremias" zum Bilde Lesser Urys, Adolph Donath, Hugo Salus, mit dem reizvollen Kinderreim und einer feinpointierten Behandlung der Sage vom hohen Rabbi Löw, Anton Lindner, Israel Auerbach mit seiner Ezechiel-Vision, I. Löwenberg, Stephan Zweig mit dem tief erfaßten „Spinoza" und Siegmund Werner. Während der westliche Jude in dem Streben seines Volkes Heimat und Festigkeit sncht, gehen die östlichen Schriftsteller vielmehr von einer Art Heimat aus, von der traurig-dumpfen, in sich geschlossenen Welt des Ghetto, in welcher doch manch'stilles Wärmen und Leuchten ist, da wo die Fesseln von außen und innen nicht hinreichen, um die Seele zu lähmen. Aber &

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