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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-03-01 · Heft 3 (1.3.1903) · p. Seite 67

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 3 (1.3.1903)
Date
1903-03-01
Page
Seite 67 (sequence 21)
Language
German
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67 Die rechtliche Melkung der Juden im Kanton Aargau. Unter diesem Titel ist jüngst von Herrn Dr. Ernst Holler ein Buch erschienen*), in welchem dieses The«« in ebenso ausführlicher wie gründlicher Weise zur Behandlung gelangt. Schade ist es, daß die jüdischen Gemeindearchive von Lengstau und Oberendingen wegen mangelhafter Ordnung nicht benutzt werden konnten, da dieselbest gewiß besonders in Bezug aus das innere Kulturleben der Juden viel wichtiges enthalten. Daß das vorhandene Material größtenteils in hebräischer Sprache «abgefaßt ist, ist kein Grund, es bei Forschungen bei Seite liegen zu lassen und geben wir der Hoffmlng Ausdruck, daß ein jüdischer Gelehrter in der Schweiz die j sonst ganz gediegene Arbeit Dr. Haller's nach dieser Seite hin ergänzen wird. Im 13. Jahrhundert waren schon Juden in der Schweiz. 1213 mußte der Bischof von Basel den bischöflichen Ring bei einem Juden auslosen lassen, den er ihm zum Pfände gegeben hat. 1223 war der ganze bischöfliche Kirchenschatz an Judni verpfändet. In Bern finden sich mehrere Juden im Jahre 1263. Es war damals für eine bedeutende Stadt fast eine Notwendigkeit, Hebräer aufzunehmen, denn tiefe waren die Träger des Handels und insbesondere des Geldverkehrs. Deshalb zenosseu sie weitgehende Rechte und Privilegien. Sie konnten an fast allen Orten Häuser erwerben und hatten in Basel schon im 13. Jahrhundert eine Synagvge und einen ummauerten Begräbnisplatz. In Zürich erhielten sie beides im 14. Jahrhundert. In Züricher Urkunden werden 1384 ein Jude Josef von Baden, 1393 Jasak von Baden, 1396 Israel der Jud von Brugg genannt. In Mellingen werden Juden im Jabre 1404 erwähnt. Majas der Jud oder Leviburg hat zwischen 1415 und 1421 eine Judeneidesformel nach Aarau gebracht. Nach einer Züricher Ratserlaubnis von 1431 durften Juden aus Premgarten und Mellingen auf dem chriftl. Friedhof in Zürich beerdigt werden. 1633 wurde in Zürich Samuel Eiron, ein Jude, „der sonsten zu Lengnau in der Grafschaft Baden wohnhlft war" und in Geschäften nach der Stadt gekommen war, wegen Lästerung der heiligen Dreifaltigkeit enthauptet. Die Juden von Endingen sind zum ersten Male 1678 erwähnt. 1633 wird ein in Lengnau ansässiger Jude erwähnt. In Endiugen haben sich Juden zwischen 1058 und 1678 angesiedelt. Es ist wahrscheinlich daß die 20 Haushaltungen, welche-die Gemeinde Lengnau ^gründeten, infolge djes 30jährigen Krieges aus Deutschland kamen. Die Stadt Baden, ein Kurort stnd der Flecken Zurzach mit seinen berühmten blühenden Messen bildeten Anziehungspunkte für die Juden. Im Jahre 1702 waren in Endingen und Lengnau 35 chr. Haushaltungen, 1774 hundert und acht. Jn^Endingen hatten *) Berlag von H. R. Lauerlaender & iSo. in flarau. 1902.

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