Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1903)
- Date
- 1903-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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47 es wäre vielmehr auch zu wünschen, daß sie in christlichen Kreisen viel gelesen würden, Niemand, der ein Herz im Leibe hat, wird dieses Buch ohne tiefe Ergriffenheit zu lesen im stände sein Man weiß nicht, soll man mehr die tiefe Empfindung oder die feine Ironie und die herbe Satyre bewundern, mit welcher der Verfasser die Leiden und Zurücksetzungen der Juden schildert. Gedichte wie „Freiwild" „das eiserne Kreuz" „Aus der Schule" „Ausgewiesen" „des Vaters Gebetbuch" „der Mutter" u. zahlreiche andere reißen zur Bewunderung hin. Wie treffend apostrophiert der Verfasser um nur eine Pro.be zu geben, in dem Gedichte „Getauft" die jüdischen Apostaten: „Sprecht, habt im Herzen ihr (erkoren, Was gläubig euer Mund bekennt'? Ihr schweigt; — so habt ihr falsch geschworen, Und Meineid eure Seele brennt. Nicht daß der Väter ihr vergessen. Daß andres Bündnis ihr gewählt: Nein, daß wir jene auch besessen, 'Das ist es, was uns schmerzt und quält!" Wir wünschen aus Liebe zum Judentume dem Buche zahlreiche Leser. Brüx Di*. Biach. „Die Königsgleichnilse des Midrasch, beleuchtet durch die römische Kaiserzeit". Unter diesem Titel veröffentlichte jüngst Di*. Ignatz Ziegler, welcher als Rabbiner und gefeierter Kanzelredner in der weltberühmten Sprudelftadt wi^t und dessen Name auch in der Gelehrtenrepublik einen guten Klang hat, ein stattliches Buch. In demselben behandelt er jenen Zweig unserer Literatur, der seit dem unsterblichen Pfadfinder unseres modernen Schrifttums, welcher in seinem grundlegenden Werke zum erstenmale die Sonde der Kritik an die Midraschim anlegte, viele Pfleger gefunden hat. Ziegler stellt in der Behandlung dieses Stoffes neue Gesichtspunkte auf. Er weist nach, wie ein wesentlicher Teil der Gleichnisse in der Aganda, die als Predigt hauptsächlich an Gemüt und Willen sich zu wenden hatte, kein Gebilde der Phantasie, sondern der Wirklichkeit entnommen war. Das Leben und Treiben am Hofe der Cäsaren, selbst die intimsten Geschehnisse, wie wir sie zum großen Teile auch schon ans den Berichten der römischen Chronisten kennen, wird uns in den Midraschim entrollt. Freilich gelingt der Nachweis einer jeden einzelnen Stelle als bestimmtes Faktum nicht immer, allein, dies tut ja auch nichts. Die Hauptsache ist, daß durch die Beweisführung der Midrasch vor Isolierung bewahrt und ein Element der allgemeinen Kultur bleibt. Dieser ..große Wurf" ist dem Verfasser gelungen und bildet sein dauerndes Verdienst. Im Vorgänge Zieglers liegt die Bürgschaft rechter Wissenschaft. Wissenschaft des Judentums — welch ein stolzes, erhebendes Wort! Und doch gibt es zu schweren Mißverstandniffen Veranlassung und ist nicht der prägnante Ausdruck für das, was es bezeichnen