Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1903)
- Date
- 1903-02-01
- Page
- Seite 43 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Victoria 6000, West'Australien 900, Süd-Australien 1100. ^Gesamtsumme über 101/* Millionen Juden. — Herr Prediger Krolik in Gosel feierte unter großer Teilnahme der gesamten Gemeinde sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum und ist ihm aus diesem Anlasse der Kronenorden IV. Klasse verliehen worden. — In der Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums fand die feierliche Einführung des neuen Dozenten. Herrn Dr. Elbogen, statt. In« Nonien des Kuratoriums, begrüßte dessen Vorsitzender, Herr Shnitätsrat Dr. Neumann, den Dozenten. In seinen geistvollen Ausführungen gl dachte der Redner besonders der Aufgabe der Lehranstalt, ein treuer Hort der Wissenschaft des Judentums zu sein. Seitens des Lehrerkollegiums sprach Her' Dr. Baneth herzliche Worte der Bewillkommung. Dann ergriff Herr Dr. Elbogen selbst das Wort und dankte, sichtlich bewegt, dem Kuratorium und Lehrerkollegium für die ehrenvolle Berufung, die er mit allen Kräften rechtfertigen zu wollen versprach. Die Hörer versicherte der neue Dozent stets seiner brüderlichen Teilnahme und treuen Unterstützung. So hinterließ die würdige Feier bei den Herren Kuratoren, Dozenten, Hörern und Gästen einen tiefen, nachhaltigen Eindruck. — Bei dem Rektoratswechsel an der Universität Derlin hielt der neue Rektor) Geh. Rat Gierke, eine Antrittsrede über ein „Grundproblem, das in der Rechtswissenschaft fragend das Haupt erhebt, das aber m der Tiefe aller Geisteswissenschaft wurzelt, der Berührung mit der Naturwissenschaft nicht entbehrt", und das zugleich der Ausgangs- und Mittelpunkt seiner eigenen Lebensarbeit ist: das Wese l der menschlichen Verbände. Der Redner wies auf die ethische Bedeutung hin, die dem Gedanken der realen Einheit der Gemeinschaft zukommt. Nur aus dem hi »Heren Werte des ganzen gegenüber dem Teil läßt sich die sittliche Pflicht des Me ische» begründen, für das Ganze zu leben, und wenn es sein muß, zu sterben. Der Schimmer einer höhen sittlichen Idee aber verblaßt» wenn man das Volk nur als die Summe der jeweiligen einzelnen Bolksgenoffen betrachtet, für deren Verholten von Jndividium zu Jndividium das Gebot gilt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Auf dieses Gebot allein wollen extreme Individualisten idealer Gesnnung, wie Tolstoi, das Leben der menschlichen Gesellschaft gründen — und s ehe da, sie zertrümmerten den Staat und predigen den Anarchismus. Die religiöse Ergänzung des Gebotes der Nächstenliebe ruht in dem Gebot, Gott über alles zu ieben. Sie erst baut das Reich Gottes auf, das nicht von dieser Welt ist. Auch für die irdische Gemeinschaft heißt es hier: Liebe das Ganze ein Höheres und Wertvolleres ist als die Stimme der Jnduvidien, wenn das Gemeimvcscn mehr als» ein Mittel zum Zwecke der Einzelnen bedeutet, und wer nicht für leere Namen iefct und stirbt, wer für die Ehre und daS Wohl, für die Freiheit und das Recht eines Volkes und Staates wirkt und kämpft. Geheimer Rat Gierke schloß seine von höchsten Gesichtspunkten erfüllte eindrucksvolle Rede mit einem Appell an die Studierenden, stets nach Kräften das Gebot der Nächstenliebe zu befolgen und sich dabei jetzt und immer auch init echtem Gemeinschaftsgeist