Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1903)
- Date
- 1903-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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29 äußere Drück, der Sturmwinds der den Wanderer zwingt, sich fester in seinen Mantel zu hüllen. Wir haben hier die einzelnen Phasen des Makkabäerkampfes, so interessant sie anch an sich sein mögen, nicht zu verfolgen. Aus diesen siegreichen Heldenkämpfen ging ein zweites selbstständiges Königstum in der nachbiblijchen Zeit hervor- Aber nicht nur eine politischnationale Wiederbelebung war die Folge dieser Makkabäerkämpfe, sondern eine innere religiös-kulturelle Wiederbelebung. In jenem Jahrhundert makkabäischen Königtums, in jenem Jahrhundert wiedererwachten jüdisch-partikularistischen Selbstbewußtseins wurden die Grundmauern zu einem neuen Bau des inneren Judentums gelegt, zu einem Bau, der die stolzen Säulenhallen des goldenen Tempels in Jerusalem um Jahrtausende überdauern sollte. In jenem Jahrhundert wurde auf dem breiten Fundament des biblischen Judentums ein neues hochragendes Haus errichtet, oder, wenn man lieber will, es wurde ein zweites Stockwerk auf das erste Stockwerk des Judentums gesetzt: der Talmud, die mündliche Lehre. Es gibt im Talmud einen Abschnitt, den man „die geflügelten Worte der Talmudlehrer" nennen könnte, er ist ethisch so überaus wertvoll und ist von so hoher literarischer Bedeutung wie nur irgend ein biblisches Buch; deswegen hat der religiöse Takt Israels diese Sammlung geflügelter Worte in sein Volksbuch, sein tägliches Gebetbuch, ausgenommen. In dieser Sammlung sittlicher und geistvoller Kernsprüche nun werden die größten Lehrer der ersten talmudischen Zeit der Reihe nach aufgezählt. Und da erfahren wir denn, daß diese ersten Lehrer genau zur Zeit der makkabäischen Erhebung gelebt haben. Der erste Antiochus aus Socho trägt noch einen griechischen Namen, die folgenden alle nur einen hebräischen! — In diese Zeit der makkabäischen Erhebung fallen zugleich mit der Einsetzung des Talmuds noch zwei andere bedentsa>ne geschichtliche Entwicklungen; die erste ist die Errichtung einer jüdischen Centralbehörde, welcher das gesamte jüdische Leben unterstand, des sogenannten Synhedriums. Die zweite ist der die ganze damalige Zeitgeschichte durchziehende Parteikamps zwischen den Pharisäern und Sadduzäern. Wer waren diese Pharisäer und Sadduzäer? Was war es, um dessentwillen sie auseinander gingen und sich bekämpften? Pharisäer ist ein Name, dem eine ungerechte Nachwelt eine falsche Bedeutung angeheftet hat. Weil der Stifter des Christentums die Pharisäer seiner Zeit einmal als Heuchler und Scheinheilige apostrophiert, hat man mit dem Begriff der Pharisäer den der Heuchelei und Hcheinheiligkcit verbunden. Wohl mag es unter den Frommen der damaligen Zeit, wie zu allen Zeiten, viele Frömmler gegeben haben. Wohl weiß auch der als pharisäisch verschrieene Talmud mit beißendem Spott von den extremen Richtungen der Pharisäer zu erzählen, Pharisäer, die aus unlauteren Motiven, um irdischer Zwecke willen, fromm