Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1903)
- Date
- 1903-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 5)
- Language
- German
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27 der neu eroberten Provinz, um sie in ihrer Treue an seine Dynastie zu befestigen, weitgehende Privilegien. Unter ihm und seinem Nachfolger Seleukus I V. machte die. Hellenisierung der palästinensischen Juden zweifellos bedeutende Fortschritte. Denn damals begann jene Zeit, in der sich viele Juden griechische Namen beilegten, damals entstand jene große hellenistische Partei, die das Judentum zu hellenisie.ren (oder zu gräzisieren) bestrebt war, damals erblickten Biele, und gerade die sozial am höchsten Stehenden das Heil des Judentums im bedingungslosen Anschluß an die griechische Kultur und Sitte. ' Der Nachfolger Seleukus IV. ist jener Antiochns, dem seine Schmeichler den Namen Epipbanes, der Edle, beigelegt haben, ein Beiname, den spätere Geschichtsschreiber in Epimanes d. h. der Wahnsinnige verwandelten. Dieser König, der sich von seinen orientalischen Untertanen als Gott verehren ließ, war der Sturmwind, der verheerend über das Judentum hinwegfuhr und eine gewaltig zitternde Erregung in dem kleinen Völkchen der Juden hervorriefer war der Sauerteig, der die jüdische Geschichte in Gährung brachte, er glich für die innere Entwicklung des Judentums jenem modernen Geiste, der das Böse will, aber das Gute schafft. An ihn drängten sich zu Anfang seiner Regierung die Führer der hellenistischen Partei unter die Juden heran mit der Bitte sie in ihren griechischen Reformen zu unterstützen. Ähnlich wie im vorigen Jahrhundert, in der Jugendzeit der Reform, diese Reform an manchen Orten durch Inanspruchnahme der Staatsgewalt, mit Hülfe der Gensdarmen eingeführt wurde, ebenso wurde damals mit Hülfe der syrischen Regierung Jerusalem gewaltsam gräzisiert; griechische Gymnasien und Ephebeien d. h. Ring- und Turuschulen wurden eingerichtet, die Hohepriesterwürde wurde hellenistisch Gesinnten übertragen, die Jerusalemiten erhielten das Bürgerrecht von Antiochia. Die Hellenisten gingen in ihrer Verleugnung des Judentums so weit, daß sie. um nicht in den Gymnasien den Spott der znschanenden Griechen zu erregen, das Bundeszeichen des Judentums an ihrem üeib künstlich vernichteten; ja fremden Göttern selbst brachten diese Hellenisten ihre Huldigung dar. indem sie Opfergaben an den phönizischen Herakles zu Tyrus sandten. In den altjüdifchen Kreisen regte sich wohl ein starker Widerwille gegen diese Ausschreitungen, es kam auch 511 Ruhestörungen in Jerusalem; aber die Auflehnungen gegen den Gräzifierungsversnche der Hellenisten waren so schwach und schüchtern, daß der syrische König ihre Bedeutung unterschätzte und mit einigen Gewaltmaßregeln sie zu ersticken hoffte. Man hatte ihm -- von hellenistischer Seite aus — wohl zugeraunt, diese altjüdischen Frommen seien staats- und bildungsfeindlich, man hatte sie ihm lvohl als Aufrührer und Empörer gegen den syrischen Staatseinheitsgedanken angeschlvärzt. Und diese Einflüsterungen fielen zumal noch in eine Zeit hochgradiger nervöser Erregung bei Antiochns. -Antiochns stand im Kriege mit Ägypten.