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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-01-01 · Heft 1 (1.1.1903) · p. Seite 22

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 1 (1.1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 22 (sequence 24)
Language
German
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21 daß be* Apostat, der als Ankläger gegen Idas Judentum ausgetreten iwar, zurückgeschlagen wurde, auch die hoben Fürstlich^eiterl wandten sich huldvoll dem wackeren Streiter zu. — Bei der von den politischen! Freunden Heinrich UilKerts veranstalteten Gedächtnisfeier im Künstlerhause in 23ertili widmete Herr Charles L. Hallgarten- Franksurt a. M. dem dahingeschiedenen Begründer und ersten Vorsitzenden des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus folgende Worte: „Im Namen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus bin ich hserhergekommen, um einen Kranz an der Bahre des treuen und unvergeßlichen Freundes niegerzulegen. Tausende und Abertausende trauern mit uns um den Mann, dessen Thatkraft jetzt gebrochen ist, dessen Thaten aber weiter leben. Was er für diesen Verein gethan hat, den er gegründet, das entsprang seiner idealen Natur, seinem! Sinn für Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit. Seine edle Natur bäumte sich aufgegen jede Unterdrückung, gegen jede Zurücksetzung und deshalb auch gegen den Antisemitismus. . Er wandte sich deshalb an seinen greisen Freund Gneist, an eigen Kreis gleichgesinnter Freunde und gründete einen Verein, der einen durch wnj). durch idealen Zweck hatte. Er, der sonst so Kampfbereite, wünschte auf diesem Gebiete womöglich den eigentlichen Kampf zu vermeiden; er wollte .die Ungerechtigkeit nur abwehren, und so entstand der Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Rickert wollte belehren, aufklären und die Schatten zerstreuen^ die sich aus die Seele des Volkes gelegt batten. Sein ideales Wirken, seine eiserne Arbeitskraft ist nie erlahmt; er ist vorangegangen auf diesem Wege und wenn er auch den ganzen Erfolg noch nicht erlebt hat — er hat doch wenigstens die Befriedigung mitgenommen, daß wir auf dem Wege sind, diese düstere Zeit zu überwiuten. Ich habe ihm den Dank von vielen auszusprechen. Cr hat hier für Unterdrückte und Bedrängte gewirkt und in deren Namen ist es nur Bedürfnis, heißen, iunigen Dank auszusprechen. Aber wenn ich als Jude diesen Ä^nk ausspreche, so weiß ich, daß ich ihn auch ausspreche im Namen aller der Christen, die von den reinsten Impulsen ihrer Religion geleitet sind. Rickerts tiefe Liebe zur Wahrheit, die nie den Schatten eines Unrechts dulden wollte, befähigte itn auch, die vielen Angriffe und Unannehmlichkeiten leichten Herzens zu überwinden. Oft wurde ihm vorgeworfen, daß er bloß eine!„Judenschutztrnppe" gebildet habe, aber es war ihm nicht drrum zu thun, eine Konfession zu schützen; er wollte Recht upd Gerechtigkeit für einm jeden Mitbürger. Nicht den Juden, sondern den in sefnem Rechte gekränkten Staatsbürger wollte er schützen. Wohl erinnere ich mich d^s rauhen Dezembertages, wo er seine Freunde um sich versammelte, um diesen Verein zu gründen. Schlicht und einfach trug er die Zwecke vor, die verfolgt werden sollten. Er überzeugte jeden. Wir sind zusammen an diese schwere Arbeit gegangen, und heute vermissen wir den Leiter und Führer. Aber er hat uns beseelt mit den Gedanken, die uns zum Siege fahren werden — nicht ejtt Sieg in einem Kampf; denn Kampf wollen wir nicht, w^r wollen nur das abwehren, was uns bedräut, und wir wollen auf die Stunde hoffnungsvoll warten, bis die Wahr-

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