Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Mitteln, umgehend nach Hannover zu kommen, da der Kurfürst Georg Ludwig auf Betreiben eines getauften Juden (vermutlich des Eliezer Edzard) die Abhaltung einer Religionsdisputatio \ zwischen Juden und dem Konvertiten befohlen hatte. Der ganze fürstliche Hof, die Herzogin-Mutter, die Kurfürstin Sophie von Hannover, der alte Herzog Georg Wilhelm von Celle (gest 1705), die Prinzen, die weltlichen und geistlichen Räte, darr nter der Hofprediger (wohl Abt Molanus), sowie andere hervorragende Persönlichkeiten sollten jenem geistigen Turnier beiwohnen. Diese Kunde, die ihm an einen Fasttage zuging, versetzte den im Greisenalter stehenden Rabbi Joseph in nicht genüge Bestürzung, er trat aber sofort mitten in der Nacht die Reise nach Hannover in. Wenige Stunden nach seiner Ankunft fuhr Lefsmann Behrens mit ihm und ein:m im Lehrhause zu Hannover lebenden Aron aus Abterode, der bei der Disputation 'assistieren sollte, in das kurfürstliche Schloß, wo der gesamte Hofstaat und du dazu schon Geladenen versammelt waren. In anschaulicher Weise schildert Rabbi Joseph in einem kürzlich aufgesundenen hebräischen Manuskript seinen Empfang im Leineschlosse: „Die Kurfürstin Mutter reichte mir ihre Hand zum freundlichen Empfange. Auch der anwesende Abt erinnerte sich, daß er vor 40 Jahren, als er in Rinteln als Professor lebte, an einer Disputation mit mir teilgenommen hatte. Durch diese Gunstbezeugungen gewann ich Mut." Nur durch einen Tisch geitrennt, standen sich der Konvertit und Rabbi Joseph gegenüber, in. unmittelbarer Nähe war der Platz des Kurfürsten und seines prinzlichen Bruders, dem gegenüber der Abt Posto faßte. In einer Nische befanden sich die Plätze der Kurfürstin-Mutter und des Herzogs von Celle. Im Hintergründe standen die sonstiges Hofbeamten. Ein zahlreiches Auditorium füllte den Vorsaal und die benachbarten Räume des Fürftenschlosses, voll Spannung den Allsgang des ungewohnten Schauspiels erwartend. Um 3 Uhr begann die Disputation, eröffnet durch den Apostaten, der zunächst dem Kurfürsten für die Erfüllung seiner Bitte, die Juden zu einer Disputation zu befehlen, dankte und dann an den Rabbi sechs Fragen richtete, die vor allem die Stelle eines Mittlers zwischen Gott und Israel und die Messiaszeit betrafen, wobei die bezüglichen Stellen aus der Bibel, dem Midrasch und anderen späteren Schriften zitiert wurden. In schlagfertiger Weise trat jedoch her Rabbi seinem Widersacher entgegen. Der Vortragende schilderte ausführlich den Verlauf der Disputation. Es zeigte sich in ihrem Verlauf, daß der Rabbi auch im Evangelium gut Bescheid wußte. Plötzlich bat der Konvertit den Fürsten, dem Rabbi zu befehlen, unter Eid anzugeben, welche Religion, die christliche oder jüdische, er für die rechte halte. Ter Rabbi wies dies Ansinnen zurück, indem er betonte, feine bisherigen Ausführungen seien nur defensiv, nicht offensiv gemeint. „Wir verdammen," rief er, „keinen Glauben derer, die an Gott mels und der Erde glauben. Wir glauben, was uns agt ist." Um die siebente Abendstunde endete die relisür den Rabbi höchst ehrenvollen Weise. Nicht nur, als den Schöpfer des Hin gesagt, jene, was ihnen ge giöse Disputation in einer